{"id":10007,"date":"2022-12-31T16:48:29","date_gmt":"2022-12-31T15:48:29","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=10007"},"modified":"2022-12-31T17:00:39","modified_gmt":"2022-12-31T16:00:39","slug":"welcher-wolf-wird-gewinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=10007","title":{"rendered":"Welcher Wolf wird gewinnen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Von <a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/dr-davide-brocchi-90a04939\/\">Davide Brocchi<\/a> habe ich mir eine Geschichte ausgeborgt: Ein Gro\u00dfvater sagte einst zu seinem Enkel: <em>\u201eIn mir findet ein Kampf statt, ein Kampf zwischen zwei W\u00f6lfen. Einer ist schlecht, b\u00f6se, habgierig, eifers\u00fcchtig, arrogant und feige. Der andere ist gut \u2013 er ist ruhig, liebevoll, bescheiden, gro\u00dfz\u00fcgig, ehrlich und vertrauensw\u00fcrdig. Diese W\u00f6lfe k\u00e4mpfen auch in dir und in jeder anderen Person.\u201c<\/em> Der Junge dachte einen Moment nach und fragte dann: <em>\u201eWelcher Wolf wird gewinnen?\u201c<\/em> Der alte Mann l\u00e4chelte. <em>\u201eDer Wolf, den du f\u00fctterst.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>So weit so gut. Die Geschichte k\u00f6nnte hier enden, so wie fast alle Kindergeschichten (im \u00dcbrigen auch alle Geschichten der Erwachsenen) enden: Hier DAS GUTE und dort DAS B\u00d6SE. Man muss nur wissen, wo man steht. Doch ist es so einfach? Ich bezweifele das immer mehr, gerade in einer Welt, die sich durch Extrempositionen weiter aufspaltet.<\/p>\n\n\n\n<p>Extrempositionen? Ja, man findet sie \u00fcberall, egal ob es um Klima, Krieg, Inklusion oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Woke\">Woke<\/a> geht: Zu jedem Pro- gibt es einen Anti-Fl\u00fcgel, zu jedem radikalen X positioniert sich ein radikales Y, nicht selten mit bissig-abwertendem Sarkasmus vorgetragen. <a href=\"https:\/\/www.reclam.shop\/detail\/978-3-15-019492-8\/Bauer__Thomas\/Die_Vereindeutigung_der_Welt\">Thomas Bauer<\/a>, ein deutscher Arabist und Islamwissenschaftler hatte das vor einiger Zeit in seinem Buch \u201eDie Vereindeutigung der Welt\u201c beschrieben und damit den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir weiter daran Interesse haben sollten (haben wir?), dass s\u00e4kulare und religi\u00f6se Diskurse friedlich nebeneinander koexistieren, dann m\u00fcssen wir etwas tun! Und das hat viel mit dem eingangs erw\u00e4hnten Dualismus von Gut und B\u00f6se zu tun, also einem vereinfachenden, vereindeutigenden Denken. Ich sehe zwei Ans\u00e4tze; von L\u00f6sungen sind wir weit entfernt \ud83d\ude0a. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen sollten wir uns in allen Bildungsinstitutionen (von Kindergarten \u00fcber Hochschule bis Berufsbildung) nochmals und immer wieder mit dem Werte- und Entwicklungsquadranten von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Werte-_und_Entwicklungsquadrat\">Hartmann\/Schulz von Thun<\/a> auseinandersetzen, denn darin ist ein wichtiger Mechanismus festgehalten, der uns vor Extrempositionen sch\u00fctzt, was anhand eines Beispiels einsichtig wird: Man stelle sich hierzu zwei Personen vor, die sich gegenseitig Vorw\u00fcrfe machen: Person A sagt zu Person B, sie sei geizig; Person B sagt zu Person A sie sei verschwenderisch \u2026 ein un\u00fcberbr\u00fcckbares Dilemma! Im Wertequadrant wird nun vorgeschlagen, das Wertvolle in den Extrempositionen zu entdecken und dies zum Ausgangspunkt einer neuen Betrachtung zu machen: Aus \u201eschlechtem\u201c Geiz wird \u201eerstrebenswerte\u201c Sparsamkeit, aus \u201eschlechter\u201c Verschwendung wird \u201eerstrebenswerte\u201c Gro\u00dfz\u00fcgigkeit. Sparsamkeit und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit sind nun nicht mehr diametrale, sondern komplement\u00e4re Gegens\u00e4tze, die \u201emiteinander reden k\u00f6nnen\u201c. Genau das ist der Punkt: Die verwerflichen Extrempositionen (des Guten zuviel) k\u00f6nnen in Tugenden \u00fcberf\u00fchrt werden und die verwerflichen Extrempositionen finden in den Diagonalen eine interessante Entwicklungsperspektive, also etwas, wie man in Zukunft sein k\u00f6nnte! (vgl. auch <a href=\"https:\/\/gabi-reinmann.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Impact_Free_23.pdf\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/gabi-reinmann.de\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Impact_Free_23.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Impact Free<\/a>-Artikel von Gabi)<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-gallery aligncenter columns-1 is-cropped wp-block-gallery-2 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><img decoding=\"async\" width=\"585\" height=\"334\" src=\"https:\/\/frank-vohle.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/wertequadrant-1.png\" data-orig-src=\"https:\/\/frank-vohle.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/wertequadrant-1.png\" alt=\"\" data-id=\"10008\" data-full-url=\"https:\/\/frank-vohle.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/wertequadrant-1.png\" data-link=\"https:\/\/frank-vohle.de\/?attachment_id=10008\" class=\"lazyload wp-image-10008\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27585%27%20height%3D%27334%27%20viewBox%3D%270%200%20585%20334%27%3E%3Crect%20width%3D%27585%27%20height%3D%27334%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/didaktikbuero.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/wertequadrant-1-300x171.png 300w, https:\/\/didaktikbuero.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/wertequadrant-1.png 585w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 585px) 100vw, 585px\" \/><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Zum anderen entstehen Extrempositionen nicht nur durch \u201efalsches Denken\u201c oder vereinfachende Zuschreibung durch Individuen. Gerade in Sozialen Medien werden Extrempositionen durch Algorithmen verst\u00e4rkt und verbreitet. Gut zu beobachten ist das aktuell bei <a href=\"https:\/\/omr.com\/de\/daily\/andrew-tate-hustle-university-marketing\/\">Andrew Tate<\/a>, der mit seinen provokanten Aussagen (u.a. Rassismus, Frauenfeindlichkeit) und Affiliate-Marketing fast 12 Milliarden (!) Video-Views bei Tiktok erzeugt oder erzeugen l\u00e4sst. Hier kommt man mit \u201eIndividualmedizin\u201c nicht weiter, weil der Patient sich hartn\u00e4ckig der Therapie verweigert. Gefragt w\u00e4re hier sowas wie eine \u201eAlgorithmen-Aufsicht\u201c, um solche systemischen Effekte zu reduzieren, was zumindest auf EU-Ebene zu diskutieren w\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende will ich nochmal einen Blick auf die Wolfsgeschichte werfen: Ja, nat\u00fcrlich stimmt es, dass derjenige Wolf in mir w\u00e4chst, den ich f\u00fcttere. Aber: Mein Beitrag, zumal am bilanzierenden Jahresende, will nochmal etwas grunds\u00e4tzlicher danach fragen, ob wir mit der Geschichte von Gut und B\u00f6se weiterkommen. Ich meine Nein. Der Werte- und Entwicklungsquadrant zeigt eine alternative DENK-Weise auf, die aber nur sehr unwillig in unsere K\u00f6pfe kommt. Die Algorithmen-Aufsicht lenkt den Blick weg von einer Zensur der Inhalte hin zu den Mechanismen, die unter der Haube \u201ef\u00fcr Stimmung sorgen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Sinne \u2026 Ahoi f\u00fcr 2023, es wird besser! &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Davide Brocchi habe ich mir eine Geschichte ausgeborgt: Ein Gro\u00dfvater sagte einst zu seinem Enkel: \u201eIn mir findet ein Kampf statt, ein Kampf zwischen zwei W\u00f6lfen. Einer ist schlecht, b\u00f6se, habgierig, eifers\u00fcchtig, arrogant und feige. Der andere ist gut \u2013 er ist ruhig, liebevoll, bescheiden, gro\u00dfz\u00fcgig, ehrlich und vertrauensw\u00fcrdig. 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