{"id":10118,"date":"2023-09-05T09:36:00","date_gmt":"2023-09-05T08:36:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=10118"},"modified":"2023-09-06T12:52:50","modified_gmt":"2023-09-06T11:52:50","slug":"wissens-uebern-gartenzaun-werfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=10118","title":{"rendered":"Nichts ist und wird ohne Frauen"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich bin aufgewachsen mit \u201eselbstbewussten Frauen\u201c und \u201esanften M\u00e4nnern\u201c, wahrscheinlich sehe ich die Welt nicht so, wie sie ist. Aber wer sieht das schon\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die aktuellen Nachrichten und Netzwerkmeldungen verfolgt, und dabei die Frauen im Blick hat, bleibt bei drei Meldungen h\u00e4ngen. Ich m\u00f6chte etwas dazu sagen, weil es wichtig ist:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frauen dem\u00fctigen<\/strong>: Dass der Chef des spanischen Fu\u00dfball-Verbandes eine Spielerin der Nationalmannschaft nach gewonnen Endspiel \u2013 wie man vermuten darf ohne Zustimmung \u2013 auf den Mund gek\u00fcsst hat, ist bekannt. Man streitet darum, ob es eine Straftat oder Ausdruck von Freude ist. Das eben dieses Nationalteam sich \u00fcber ihren Trainer wegen sexueller Bel\u00e4stigung seit Jahren beschwert (mit Duldung des Chefs) ist ein wichtiger Hintergrund, um das \u201eK\u00fcsschen\u201c zu deuten. \u201eDer Kuss\u201c steht also symbolisch f\u00fcr missbrauchte Macht und das muss man \u00e4chten. Was sollte man tun? M\u00e4nner m\u00fcssen sich \u00e4ndern: die, die in Versuchung stehen, aber auch die, die passiv zuschauen und schweigen. Medien m\u00fcssen sich \u00e4ndern, denn die Rede vom K\u00fcsschen st\u00fctzt den Machtmissbrauch und veralbert die, die gek\u00fcsst werden. Und dort, wo sich unser Wunsch nach Vernunft nicht realisiert, hoffe ich auf mutige Frauen, die im Fall der F\u00e4lle verbal und handfest Widerstand leisten: mit einem klaren Nein, einer \u00f6ffentlichen Backpfeife oder wirksameren Methoden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frauen unsichtbar machen<\/strong>: Dieses Jahr wurde in der ZEIT an den \u201e<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2023\/36\/buergerrechtsbewegung-usa-frauen-protest?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F\">Marsch auf Washington<\/a>\u201c erinnert und damit auch an die radikalen B\u00fcrgerrechtlerinnen wie Gloria Richardson, Mahalia Jackson oder Marian Anderson. Sie alle stehen im Schatten des \u201egro\u00dfen\u201c Martin Luther King, der mit seiner Rede&nbsp;<em>\u201eI have a dream!\u201c<\/em>&nbsp;in der kollektiven Erinnerung blieb. Der ZEIT-Artikel zeigt, dass und wie die Aktivistinnen, ohne die es keinen Marsch gegeben h\u00e4tte, von der gro\u00dfen B\u00fchne der Anerkennung verdr\u00e4ngt wurden: 1963 steckte man sie in h\u00fcbsche Kleider statt der gewohnt engen Jeans, man verwehrte ihnen Redeanteile, man sagte ihnen \u201ebleib zu Haus und ruhe dich aus\u201c, damit die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit den M\u00e4nnern vorbehalten blieb. W\u00e4hrend man sie heute \u201estille Heldinnen\u201c oder \u201eK\u00e4mpferinnen\u201c nennt, waren es 1963 \u201eM\u00fctter\u201c und \u201eEhefrauen\u201c, die ihren M\u00e4nnern beistanden. Coretta Scott King \u2013 die Frau von Martin Luther King \u2013 war es leid, als \u201eAnh\u00e4ngsel eines Staubsaugers\u201c dargestellt zu werden. Gegen Ende seiner Laufbahn, als Alfred Hitchcock, der ber\u00fchmte Regisseur, eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pb5VdGCQFOM&amp;t=297s\">Auszeichnung f\u00fcr sein Lebenswerk<\/a>&nbsp;bekam, sagte er, dieser Preis geh\u00f6re&nbsp;<em>\u201ezu gleichen Anteilen seiner Frau\u201c<\/em>, einer Frau, die nun wirkliche jede Idee, jedes Drehbuch, jeden Videoschnitt tragend mitgestaltet hatte, wenn man den Recherchen Glauben schenkt. Was sollte man tun? Nichts&nbsp;<em>ist<\/em>&nbsp;und&nbsp;<em>wird<\/em>&nbsp;ohne Frauen, das ist eine Tatsache, keine Deutung. \u201eI have a dream\u201c war schon damals falsch, richtig h\u00e4tte es hei\u00dfen m\u00fcssen \u201eWe have a dream\u201c. Merke: Wir haben alle immer nur An-<em>Teil<\/em>. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Frauen entrechten:<\/strong>&nbsp;Im vom Taliban gef\u00fchrten Afghanistan haben Frauen keine Rechte: Ihnen verwehrt man mit Gewalt den Schulbesuch, Hochschulen sind eh tabu. Diese Meldung bleibt in den Nachrichten auffallend unterbelichtet. W\u00e4re es weltweit genauso still, wenn alle M\u00e4nner weggesperrt und von Bildung abgetrennt w\u00fcrden? Ohne Bildung reduzieren sich die Rolle und die zuk\u00fcnftigen M\u00f6glichkeiten der M\u00e4dchen und Frauen auf winzige Optionen, schrecklich. Was muss man tun? M\u00e4dchen haben angefangen, sich in geheimen und kleinen Gruppen zu treffen, unter Lebensgefahr organisieren sie ihre Bildung selbst, greifen nach Strohhalmen, die ihre Zukunft bedeuten. Der in Hamburg ans\u00e4ssige \u201e<a href=\"https:\/\/www.afghanischer-frauenverein.de\/\">Afghanische Frauenverein<\/a>\u201c hilft dabei, dass afghanische M\u00e4dchen Chancen haben. Wenn man die M\u00e4nnergesellschaft im Gro\u00dfem schwer ver\u00e4ndern kann, muss man im Kleinen anfangen. Mauern fallen durch Risse.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe kein Fazit. Aber vielleicht ist die Trennung von Frauen und M\u00e4nnern Teil des Problems. Vielleicht ist es besser, zwischen den \u201eMutigen\u201c und den noch \u201eMutlosen\u201c zu unterscheiden. Denn am Ende gilt \u2013 so scheint mir \u2013 unsere \u00c4ngste zu \u00fcberwinden: Angst vor \u00f6ffentlicher Positionierung (Fu\u00dfball-Beispiel), Angst vor Anerkennungsmangel (Washington-Beispiel), Angst vor Kontrollverlust (Taliban-Beispiel). Dabei k\u00f6nnen und sollten wir uns&nbsp;<em>gegenseitig<\/em>&nbsp;helfen: Frauen, M\u00e4nner, Diverse sowie die Mutigen und die, die noch ohne Mut sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin aufgewachsen mit \u201eselbstbewussten Frauen\u201c und \u201esanften M\u00e4nnern\u201c, wahrscheinlich sehe ich die Welt nicht so, wie sie ist. Aber wer sieht das schon\u2026 Wer die aktuellen Nachrichten und Netzwerkmeldungen verfolgt, und dabei die Frauen im Blick hat, bleibt bei drei Meldungen h\u00e4ngen. 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