{"id":8075,"date":"2018-08-05T13:24:02","date_gmt":"2018-08-05T12:24:02","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8075"},"modified":"2018-10-04T12:07:52","modified_gmt":"2018-10-04T11:07:52","slug":"kraft-und-kraftlosigkeit-des-fussballspiels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8075","title":{"rendered":"Kraft und Kraftlosigkeit des Fu\u00dfballspiels"},"content":{"rendered":"<p>Samstag lese ich manchmal die ZEIT \u2013 Wochenzeitungen entschleunigen. H\u00e4ngen geblieben bin ich dieses Mal an einem Artikel mit der \u00dcberschrift \u201e<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2018\/32\/integration-deutschland-jesiden-maedchen-religion\/komplettansicht\">Sie sind der German Dream<\/a>\u201c von Wolfgang Thielmann. Darin wird von Scoring Girls berichtet, ein Projekt der ehemaligen Bundesliga-Fu\u00dfballspielerin Tuna Tekkal, die sich heute als ehrenamtliche Trainerin f\u00fcr junge gefl\u00fcchtete M\u00e4dchen stark macht, die jenseits aller kulturell-religi\u00f6ser Unterschiede einfach Fu\u00dfball spielen wollen. \u201eFu\u00dfball bringt sie zusammen und macht sie selbstbewusst\u201c, so Tekkal im Artikel. W\u00e4hrend ganz Deutschland also \u00fcber Integrationsprobleme spricht (\u00d6zil, Clans etc.) zeigt sie, dass Integration gelingen kann, n\u00e4mlich spielend!<\/p>\n<p>Liest man die Geschichten der gefl\u00fcchteten M\u00e4dchen, die Gr\u00e4ueltaten des IS, besonders an der Gruppe der Jesiden, dann erscheint das, was Frau Tekkal mit ihrem gemeinn\u00fctzigen Verein <a href=\"https:\/\/hawar.help\/integrative-fussballcamps-und-trainingseinheiten-fuer-kinder\/\">Hawar Help<\/a> macht, als Utopie, als ein (wirklicher) Nicht-Ort. Doch was hier auf dem Bolzplatz passiert, ist mehr als nur Vollspann: Es geht um Selbstbestimmung (der Frauen) und um ein \u201eGef\u00fchl der Freiheit\u201c, wie Tekkal es ausdr\u00fcckt. Darin wird deutlich: Das (Fu\u00dfball-)Spiel erzeugt vor dem Hintergrund der spezifischen Spielidee seine eigensinnige, d.h. freie, kreative, k\u00e4mpferische, leidenschaftliche, regelgeleitete und soziale Wirklichkeit, die sich vom Leben da drau\u00dfen so wohltuend abgrenzt. Und genau durch diese Abgrenzung entsteht im Sport dieses \u201eGef\u00fchl der Freiheit\u201c &#8211; ein fl\u00fcchtiges, aber kraftvolles Gut auf Zeit!<\/p>\n<p>Vor ca. 20 Jahren hatte ein Kollege von mir (Sporthochschule) in seiner Diplomarbeit die Forschungsfrage gestellt, ob Kinder aus brasilianischen Slums ihre Fairness-Erfahrungen vom Bolzplatz in den Alltag transferieren k\u00f6nnen. Die Ergebnisse waren ern\u00fcchternd: Auf dem Platz folgte man artig den Regeln, zur\u00fcck auf der Stra\u00dfe hatte man keine Scheu, die Pistole zu verwenden. Besser konnte man Kraftlosigkeit nicht auf den Punkt bringen.<\/p>\n<p>Was kann also Fu\u00dfball, was kann Sport leisten? Zum einen unendlich <strong>viel<\/strong>, z.B. bietet er Erfahrungen zur Selbstbestimmung, die vor allem dort wirken, wo bisher vorwiegend Fremdbestimmung herrschte. Zum anderen unendlich <strong>wenig<\/strong>, z.B. wenn alle Hoffnungen auf eine transferierbare Fairness ins Leere laufen.<\/p>\n<p>Man darf also vom Fu\u00dfball nicht viel erwarten, dann kann er die Menschen auch reich beschenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag lese ich manchmal die ZEIT \u2013 Wochenzeitungen entschleunigen. H\u00e4ngen geblieben bin ich dieses Mal an einem Artikel mit der \u00dcberschrift \u201eSie sind der German Dream\u201c von Wolfgang Thielmann. 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