{"id":8759,"date":"2006-06-18T00:00:00","date_gmt":"2006-06-17T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8759"},"modified":"2018-08-31T20:04:47","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:47","slug":"handlungsdilemma-hochschullehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8759","title":{"rendered":"Handlungsdilemma &#8222;Hochschullehre&#8220;"},"content":{"rendered":"<div class=\"storycontent\">\n<p>Vor einigen Wochen hat sich nach dem Beitrag &quot;BA was sonst?&quot; eine kurze <a href=\"\/index.php\/frank\/2006\/05\/30\/ba_oder_was#comments\">Diskussion<\/a> entsponnen, die auf ein grunds&auml;tzliches Problem aufmerksam macht. Sebastian Fiedler hatte dort bezweifelt, dass es systemisch Sinn macht, wenn man sich an einer Professur ohne weitere Ressourcen sehr f&uuml;r die Lehre engagiert. Das organisationale Talent eines Professors, z.B. durch Integration seiner Doktoranden in die Lehre, sei zwar aus einer Individualperspektive lobenswert, aber mit etwas Distanz eben auch systemerhaltend und damit langfristig kontraproduktiv. Und das ist der Punkt: ist es rational, ein System zu unterst&uuml;tzen, wenn das eigene Tun nur einen Missstand stabilisiert oder kaschiert; frei nah dem Motto: &quot;Bei denen l&auml;uft alles voll prima auch ohne Geld! Ein tolles Modell f&uuml;r die Hochschule in Zeiten des Sparzwangs.&quot; Ich denke, was hier angesprochen ist, ist nicht nur ein Problem &quot;unserer&quot; Professur, sondern gilt wohl f&uuml;r alle Lehrst&uuml;hle\/Professuren im Umfeld der im Verh&auml;ltnis unterfinanzierten philosophischen-sozialwissenschaftlichen Fakult&auml;ten.<\/p>\n<p>Was nun, weglaufen aus dem System oder &quot;drin&quot; bleiben. Als ich vor ca. 10 Jahren das kleine B&uuml;chlein &quot;Der Teil und das Ganze&quot; von Werner Heisenberg gelesen habe, bin ich zum ersten mal &uuml;ber diese Gretchenfrage gestolpert. Damals stand zur Debatte, ob die Physiker in Deutschland bleiben oder ausreisen sollten. Heisenberg entscheid sich &quot;drin&quot; zu bleiben und zwar mit der Begr&uuml;ndung, dort am meisten im humanen Sinne bewegen zu k&ouml;nnen. In &auml;hnliche Richtung ging eine Argumentation von Varela in einem anderen Buch. Nun haben wir es hier nicht mit totalit&auml;ren Regimen zu tun, sondern das System unserer Tage hei&szlig;t Hochschule. Aber ist das nicht egal, haben wir dieses Grundproblem der &quot;Missstandsst&uuml;tzung durch Eigenhandeln&quot; denn nicht &uuml;berall? Anders herum gefragt, gibt es ein System ohne Fehler? Und wenn es das nicht gibt &#8211; wer wollte das bezweifeln &#8211; wohin geht man dann? Wo ist denn dann &quot;drau&szlig;en&quot;?<\/p>\n<p>Was also tun? Wenn man im System weiter arbeiten und! Ver&auml;nderungen ansto&szlig;en will, dann muss man das wohl immer unter einer Doppellogik tun: gute Arbeit f&uuml;r das System leisten und &#8211; freilich auf einer anderen logischen Ebene &#8211; gegen das System opponieren, indem man den Status Quo in Frage stellt und Alternativen aufzeigt. Gerade die zweite Aufgabe ist schwer, langwierig und erfordert engelhafte Geduld. Ansatzstellen f&uuml;r den zweiten Punkt sind die Unileitung, das Ministerium oder Teile der Wirtschaft. Sie alle muss man davon &uuml;berzeugen, dass gute Lehre Geld kostet, davon &uuml;berzeugen, dass gute Lehre in Bereichen wie Lernen &amp; Bildung ein gutes Invest ist, f&uuml;r Gesellschaft und Wirtschaft gleicherma&szlig;en. Ja, am Ende kommt es dann wieder, die neue Uni-Sprache: Invest. Ich selbst sehe jedenfalls keinen anderen Weg, als Dritte von der Bedeutung der philosophisch-sozialwissenschaftlichen Arbeit zu &uuml;berzeugen. Dabei ist es freilich sehr hilfreich zu wissen, wie das System tickt und was genau unter der &quot;<a href=\"http:\/\/www.keele.ac.uk\/depts\/ed\/events\/conf-pdf\/cPaperHirtt.pdf\">Education-Agenda<\/a>&quot; in der europ&auml;ischen Perspektive verstanden wird (Quelle von Sebastian). <\/p>\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor einigen Wochen hat sich nach dem Beitrag &quot;BA was sonst?&quot; eine kurze Diskussion entsponnen, die auf ein grunds&auml;tzliches Problem aufmerksam macht. Sebastian Fiedler hatte dort bezweifelt, dass es systemisch Sinn macht, wenn man sich an einer Professur ohne weitere Ressourcen sehr f&uuml;r die Lehre engagiert. 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