{"id":8777,"date":"2006-01-15T00:00:00","date_gmt":"2006-01-14T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8777"},"modified":"2018-08-31T20:05:04","modified_gmt":"2018-08-31T19:05:04","slug":"authentizitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8777","title":{"rendered":"Authentizit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Das Wort l\u00e4sst sich schon schwer aussprechen, manche vergessen das \u201ezi\u201c in der Mitte, &#8230; aber egal, darum geht es nicht. Der Begriff ist f\u00fcr mich im Zusammenhang mit dem Thema \u201eLernen\u201c interessant: authentische Lehrer haben offenbar das Verm\u00f6gen, junge Menschen zu fesseln, sie zu \u00f6ffnen, sie zu aktivieren &#8230; als Bedingung der M\u00f6glichkeit zur (Eigen-)Belehrung. Das kann man als These einmal vorausschicken. Aber was hei\u00dft das eigentlich, authentisch sein? Spontan w\u00fcrde ich es mit \u201eecht sein\u201c oder \u201eunmittelbar sein\u201c \u00fcbersetzen. Das Ganze gewinnt an Fahrt, wenn man sich fragt, ob man in (sozialen) Rollen noch authentisch sein kann, spielt man nun eine Rolle oder ist man echt, oder gibt es eine authentische Rolle? Hier komme ich aber nicht weiter. Versuchen wir es andersherum. Was ist eigentlich, wenn wir jemanden als nicht authentisch erleben, &#8230; was fehlt uns da? Z.B. bei einem Freund im Freundeskreis oder bei einem Schauspieler auf der B\u00fchne. Was ist, wenn wir einem Erz\u00e4hler zuh\u00f6ren (das Thema hatten wir schon einmal) und wir sagen, der erz\u00e4hlt seine Geschichte nicht authentisch! Kann man \u00fcberhaupt authentisch erz\u00e4hlen oder IST man authentisch? Es gibt ja das Ph\u00e4nomen \u2013 bleiben wir beim Erz\u00e4hler \u2013 das jemand handwerklich schlecht erz\u00e4hlt, sagen wir, weil er keinen Spannungsbogen aufbaut, weil er Sprachschwierigkeiten hat und weil er keine plakativen Bilder verwendet. Dennoch kann die Geschichte, die erz\u00e4hlt wird, den Zuh\u00f6rer gewaltig fesseln, ihn packen, weil der Erz\u00e4hler VON SICH erz\u00e4hlt, also etwas von ihm Erlebtes weitergibt. Daraus ergibt sich aber die Frage, ob ein Erz\u00e4hler, der seine Geschichten nicht selber erlebt hat, eine gute Geschichte erz\u00e4hlen kann? Ja er kann, aber nur deshalb, weil die fremde Geschichte durch viele Wiederholungen zu seiner eigenen geworden ist und er so einen Teil von sich erz\u00e4hlt. Genau in diesem pers\u00f6nlichen Offenbarungsakt liegt das Geschenk des Erz\u00e4hlers, liegt die Echtheit, liegt etwas unmittelbar Liebenswertes, was den Zuh\u00f6rer in den Bann zieht, ihn zuh\u00f6ren und miterleben l\u00e4sst, weil \u2013 das ist wichtig \u2013 er vertraut. In diesem vertrauten Zustand aktiviert der Zuh\u00f6rer eben nicht seine Kontroll- oder Schutzstrategien, die ihn wieder auf Distanz zum Erz\u00e4hler bringen, die das Flowerleben zerst\u00f6ren. Der authentische Erz\u00e4hler, genauso wie der authentische Lehrer kalkuliert nicht mit seiner Performanz, k\u00e4mpft nicht um die Gunst des Publikums oder der Sch\u00fcler. Wer authentisch ist, der muss von sich sagen k\u00f6nnen: \u201eIch bin wertvoll, auch ohne Anerkennung!\u201c. Und diese Selbstliebe (nicht Selbstverliebtheit) ist es auch, die den guten Erz\u00e4hler ausmacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Wort l\u00e4sst sich schon schwer aussprechen, manche vergessen das \u201ezi\u201c in der Mitte, &#8230; aber egal, darum geht es nicht. 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