{"id":8778,"date":"2006-01-08T00:00:00","date_gmt":"2006-01-07T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8778"},"modified":"2018-08-31T20:04:08","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:08","slug":"vorsaetze-und-gedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8778","title":{"rendered":"Vors\u00e4tze und Gedanken"},"content":{"rendered":"<p>So, das h&auml;tten wir. 2005 im R&uuml;ckspiegel und 2006 vor der Nase. Was ich mir abgew&ouml;hnt habe, sind Bewertungen oder Vors&auml;tze. Eben fragte mich Hermann R&uuml;ppell aus K&ouml;ln, wohin 2006 f&uuml;hren wird. Ich sagte: &quot;Ich suche nicht (mehr), es kommt.&quot; (Freilich mit einem Schmunzeln ge&auml;u&szlig;ert). Nach einigem Hin und Her kamen wir darauf, dass es in etwa so ist (sein sollte), wie wenn man mit einem Fahrrad eine Sandd&uuml;ne herunter f&auml;hrt: dass man die Richtung zwar wei&szlig; und sich auch in die gew&uuml;nschte Richtung bewegt, es aber tunlichst unterlassen sollte, aktiv zu steuern. Das ist dann die moderne, etwas plakative Variante der indischen Philosophie. Das Ganze hat mit Loslassen zu tun. Aber ich glaube, das ist nur die halbe Wahrheit. Es ist doch wie bei einem perfekten Tennis Longline-Ball: <strong>du<\/strong> l&auml;ufst zum Ball, <strong>drehst<\/strong> deine Schulter weit herum, gehst <strong>tief<\/strong> unter den Ball, verlagerst dein K&ouml;rpergewicht <strong>zum<\/strong> Ball, vergegenw&auml;rtigst geistig (vor dem Schlag) den <strong>gelungenen<\/strong> Schlag als Verschmelzung von Ball und L&auml;ngslinie, triffst also die perfekte <strong>Vorbereitung<\/strong>, um dann &#8230; in den wenigen Sekundenbruchteilen des Ballkontakts alles loszulassen, du l&auml;sst es geschehen, kontrollierst nicht mehr, bist ein wenig wie ein Zuschauer deiner eigenen Leistung. Planung und Gew&auml;hrenlassen sind also die beiden Seiten, die zusammengeh&ouml;ren, und jede Seite hat ihren Sommer. Aber auch das ist wahrscheinlich nur eine Variante eines gerade zeitgem&auml;&szlig;en &quot;Fahrplans&quot;, dem man seine (Leistungs-)Wurzeln ansieht. Was mich an diesem Ansatz selber nervt, ist der Unglaube, das wenig ausgepr&auml;gte Spirituelle, die verkappte Vereinzelung im Leistungsgedanken. Vor diesem Hintergrund interessiert mich eine Geisteshaltung, die an Entwicklung glaubt &#8211; ohne den eigenen Zugriff -, die darauf hofft (hoffen darf), dass die (richtigen) Dinge zu einem selbst kommen, dass man im wahrsten Sinne aufgesucht wird. Ob das Ganze ohne Metaphysik funktioniert, wei&szlig; ich nicht. Aber es hat sicher mit einem eigenen Verst&auml;ndnis von &quot;Realit&auml;t&quot; zu tun. Anregungen finde ich hier bei David Bohm, der immer wieder auf die Prozesshaftigkeit und Verbundenheit (er spricht von Ganzheit) von Wissen und Realit&auml;t hinweist. Man bekommt eine Ahnung von dieser Verbundenheit, wenn man sich ein von ihm eingef&uuml;hrtes Bild anschaut: <em>&quot;Vielleicht ist das beste Bild der flie&szlig;ende Strom, dessen Substanz an einem Ort niemals dieselbe ist. Auf diesem Fluss kann man laufend ver&auml;nderte Figurenspiele wie Strudel, Kr&auml;uselungen, Wellen, Spritzer, etc. sehen, die allesamt offensichtlich nicht unabh&auml;ngig voneinander existieren. Sie sind vielmehr von der flie&szlig;enden Bewegung abstrahiert, entstehen und vergehen im Gesamtprozess des Flie&szlig;ens. Das fl&uuml;chtige Dasein, das diesen abstrahierten Formen eigen ist, l&auml;sst darauf schlie&szlig;en, dass sie in ihrem Verhalten nur eine relative Unabh&auml;ngigkeit oder Autonomie besitzen und kein absolutes unabh&auml;ngiges Dasein als grundlegende Substanz f&uuml;hren.&quot;<\/em> (Bohm 1985, 77-78). Ich wei&szlig;, es ist ein Sprung von den Vors&auml;tzen, der Sandd&uuml;ne, dem Fahrrad, dem Longline-Ball, dem Unwohlsein gegen&uuml;ber der Eigenleistung und dem Zugriffsdenken bis zu dem Punkt, ob das Ganze in einer fixierten Idee von Realit&auml;t gefangen ist. Mit dem Hinweis auf Bohm ist f&uuml;r mich zumindest wieder die Hoffnung da, dass wir in einer verbundenen (ungetrennten) Realit&auml;t leben, und wir nur durch unser Denken jene Br&uuml;che und Fragmente schaffen, die wir hinterher beklagen.<br \/> Was nehme ich unter der eingangs erw&auml;hnten Vorsatz-Perspektive mit? Ja, &#8230; dass ich darauf acht geben will, dass mein Denken Grenzen schafft, Ursachen und Folgen definiert und dass ich mir dieses (auch unproduktiven) Vorgangs bewusst bleiben soll. Dass ich darauf vertrauen kann, dass die Dinge nicht fern von mir sind, weil sie im Grunde noch nie von mir getrennt waren. Um die Ganzheit zu erfahren, sei aber Offenheit und Vertrauen wichtig, so Bohm. Mit diesen handfesten Vors&auml;tzen und Leits&auml;tzen :-) soll das neue Jahr beginnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So, das h&auml;tten wir. 2005 im R&uuml;ckspiegel und 2006 vor der Nase. Was ich mir abgew&ouml;hnt habe, sind Bewertungen oder Vors&auml;tze. 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