{"id":8796,"date":"2006-10-21T00:00:00","date_gmt":"2006-10-20T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8796"},"modified":"2018-08-31T20:04:50","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:50","slug":"disziplinen-muessen-sich-disziplinieren-und","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8796","title":{"rendered":"Disziplinen m\u00fcssen sich disziplinieren und &#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Gestern waren Christian und ich in Heidelberg, wo das erste Arbeitstreffen zum EU Paedimed-Projekt stattgefunden hat. Gabi konnte leider nicht dabei sein, weil sie an der Uni Pr\u00fcfungen hatte &#8211; aus mehreren Gr\u00fcnden schade! Was war also los: Nach einem lecker Abendessen haben wir noch die Heidelberger Altstadt besichtigt, Schloss und Br\u00fccke, danach, wir kennen das, wurde \u201eGrunds\u00e4tzliches besprochen\u201c. Am n\u00e4chsten Tag haben wir uns im Institut f\u00fcr Arbeits- und Sozialmedizin getroffen. Anwesend waren Arbeitsmediziner (u.a. Onkologen, Dermatologen), Gesundheitswissenschaftler, Berufs- und Medienp\u00e4dagogen. Bei diesem Projekt geht es ja \u2013 das ist mein derzeitiges Mentalmodell \u2013 um die Entwicklung einer Lernumgebung zum Thema Empowerment (salutogenitscher Gesundheitsbegriff). Thematische Aufh\u00e4nger zu diesem Leitthema sollen aus dem Bereich Dermatologie kommen, wie z.B. das Themenfeld \u201esexuell \u00fcbertragbare Krankheiten\u201c. Das Ganze soll dann an Schulen aus Deutschland, Italien und Rum\u00e4nien implementiert werden und zwar nach einem Blended-Learning-Ansatz mit der Zielgruppe Lehrer, Sch\u00fcler und beteiligte (Schul)-\u00c4rzte. Am Ende k\u00f6nnte eine Art Projektwoche stehen, f\u00fcr die eine Onlineumgebung, Kick-off-Materialien und ein Ablaufkonzept (+ evtl. Train-The-Trainer Konzept) bereitgestellt werden. So ein allererster Rahmen, auf den wir uns geeinigt haben.<\/p>\n<p>Aber darum geht es hier nicht: Spannend war f\u00fcr mich das Zusammentreffen der Fachdisziplinen selbst und hier die Einsicht, dass wir an einer gemeinsamen INHALTLICHEN Zielvorstellung arbeiten m\u00fcssen. Einerseits sind unterschiedliche Erwartungen\/Vorstellungen\/Sprachen f\u00fcr ein Erstreffen vollkommen normal, wahrscheinlich. Andererseits ist es sehr interessant, was Mediziner als bedeutsam erachten und was wir P\u00e4dagogen als bedeutsam erachten &#8211; bei einer \u00e4hnlichen Zielvorstellung versteht sich. Die einen r\u00fccken die Fachtexte ins Zentrum, bei den anderen gilt das Primat der Didaktik. Wir kommen wahrscheinlich nicht weiter, wenn wir danach fragen, was f\u00fcr uns selber das Wichtigste ist, jeder sieht das, was er gewohnt ist zu sehen, f\u00fcr Experten gilt das zweimal. F\u00fcr mich ist die Frage entscheidend, worauf hin wir unsere (interdisziplin\u00e4re) Arbeit hin integrieren wollen, was also der Zweck ist. Und der Zweck wird im Wesentlichen von der Zielgruppe her definiert , also von den Sch\u00fclern, Lehrern und den beteiligten \u00c4rzten vor Ort. Und wahrscheinlich ist genau diese Nachfrageorientierung der Schl\u00fcssel daf\u00fcr, wie eine interdisziplin\u00e4re Zusammenarbeit (in diesem Fall) aussehen kann, wer also welche Inhalte, in welcher Bearbeitungstiefe bereitstellt und wer f\u00fcr den \u201eProduktcharakter\u201c letztlich verantwortlich ist. An der Deutschen Sporthochschule in K\u00f6ln hat mich die Herausforderung \u201eInterdisziplinarit\u00e4t\u201c schon einmal besch\u00e4ftigt. Ich hatte damals den Eindruck, dass (trotz guter institutioneller Voraussetzungen), kein echter Wille an so einer Zusammenarbeit vorhanden war \u2013 das Etikett reichte. Innerhalb einer Disziplin liegt eben nicht der Schl\u00fcssel (und der Anreiz) f\u00fcr Interdisziplinarit\u00e4t. Entweder kommt dieser von \u201eweisen\u201c Wissenschaftlern\/innen, die den Horizont und damit die Grenzen des eigenen Tuns mitdenken und von daher kooperieren, was zu selten vorkommt oder, der andere Weg, die Disziplinen m\u00fcssen sich \u00fcber eine \u00e4u\u00dfere Kraft (Nachfrage Dritter), disziplinieren. Disziplinen m\u00fcssen sich disziplinieren, ja das h\u00f6rt sich gut an :-).<\/p>\n<p>Dennis Linder, ein Mitglied des Consortiums aus Italien, hat mir freundlicherweise beim Abendessen eine Buchempfehlung gegeben: Knock oder Der Triumph der Medizin. Ich habe das Gef\u00fchl, dass dieses Buch mit den oben gemeinten &#8222;Einkapselungen&#8220; und den dadurch hervorgerufenen Paradoxien zu tun hat. Aber wahrscheinlich m\u00fcsste man dann auch ein zweites Buch schreiben: Knock &#8211; oder der Triumph der P\u00e4dagogik. Ja, am Anfang aller interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit geh\u00f6rt &#8211; glaube ich &#8211; so etwas wie eine Satire, ein Schauspiel, das allen Beteiligten den Spiegel vorh\u00e4lt. Nicht um zu strafen, sondern um uns zum Lachen zu bringen &#8211; \u00fcber uns selbst. Damit machen wir unsere hochheiligen Inhalte und Methoden nicht l\u00e4cherlich, sondern wir k\u00f6nnen unverkrampfter mit den selbstgesetzten Grenzen umgehen. &#8222;Echte&#8220; Interdisziplinarit\u00e4t ist vor diesem Hintergrund (Selbst-)Neufindung, jedenfalls Relativierung eingefahrener An- und Einsichten. Eine Satire zur Zusammenkunft von Medizin und P\u00e4dagogik w\u00e4re eine spannende Herausforderung und vielleicht eine der besten Investitionen in die gemeinsame Zukunft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern waren Christian und ich in Heidelberg, wo das erste Arbeitstreffen zum EU Paedimed-Projekt stattgefunden hat. 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