{"id":8804,"date":"2007-01-26T00:00:00","date_gmt":"2007-01-25T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8804"},"modified":"2018-08-31T20:04:27","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:27","slug":"policy-erst-der-anfang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8804","title":{"rendered":"Policy &#8230; erst der Anfang"},"content":{"rendered":"<p>Z.Z. behandeln wir innerhalb der Ghostthinker-Gruppe das nicht ganz triviale Thema \u201ePolicy\u201c. Das sind Richtlinien f\u00fcr jeden Mitarbeiter, die im engen Sinne die Rechtefrage bei Produktionen, im weiten Sinne die Kulturfrage betreffen. Das Thema ist heikel aber wie ich finde wichtig, zumal wir uns ja als campusnahe Firma verstehen, bei der das forschende Arbeiten eine nicht geringe Rolle spielt \u2013 mit entsprechenden Folgen f\u00fcr die Policy. Aber das ist hier nur der Aufh\u00e4nger f\u00fcr Folgendes&#8230;<\/p>\n<p>Wenn Universit\u00e4ten im Zuge ihrer Modernisierungsbem\u00fchungen auf das Pferd \u201eUnternehmertum\u201c setzen und entsprechende Anreize schaffen, dann ist es nicht verwunderlich, wenn Studenten auch schon innerhalb ihres Studiums an \u201everwertbare Produkte\u201c denken oder gar eine eigen Firma gr\u00fcnden. Die Frage, ob dieses Schielen nach der goldenen Zukunft gut ist f\u00fcr jene, die sich den Studien verschrieben haben (ich denke, Eliten tun das, oder??) will ich hier und jetzt nicht stellen und was f\u00fcr eine Person letztlich gut ist wei\u00df ich auch nicht. Ich will darauf hinaus, dass das sog. \u201eunternehmerische Denken und Handeln\u201c eine ambivalente Formel ist. Ein auf \u201eGeldmachen\u201c reduzierter Unternehmerbegriff kann !!! das Bewusstsein auf das eigene Ego verengen und damit verliert man mentale Entwicklungschancen, die sich gerade auch im universit\u00e4ren Kontext ergeben sollten. Aus diesem Grunde spricht man ja auch gerne von Entrepreneurship oder gar Entrepreneurship Education, um junge Menschen eben nicht prim\u00e4r mit der Nase auf das Geld, sondern auf die Entdeckung von wertsch\u00f6pfenden Ressourcenkombinationen zu lenken. Ein solcher Unternehmerbegriff (Entrepreneurship) fokussiert die Fr\u00fchphase einer Unternehmung (ein sch\u00f6nes Wort), bei der die Problemfindung, der Mut und die Kreativit\u00e4t essentiell sind. Zwar winkt am Horizont ggf. auch hier die M\u00f6glichkeit \u201edamit Geld zu machen\u201c, aber das Bewusstsein und das Erleben in solchen Projekten ist doch ein qualitativ anderes.<\/p>\n<p>Man merkt, ich habe noch so etwas wie eine p\u00e4dagogische Idee der Universit\u00e4t. Ja, das ist wohl so. Seit dem M\u00fcnchener Kongress der Hans Martin Schleyer Stiftung \u201eHumboldt neu denken \u201c, denke ich dar\u00fcber nach, was da eigentlich vor sich geht. Auf der einen Seite Sebastian Fiedler , der nicht m\u00fcde wird, die sog. \u00d6konomisierung der Universit\u00e4t kritisch auf den Pr\u00fcfstand zu holen. Auf der anderen Seite z.B. Tom Sporer, der von einem \u201eentrepreneural spirit\u201c (er meint sicher nicht Geldmacherei, sondern Unternehmergeist) nicht genug bekommen kann.<br \/>\nIch frage mich: Was f\u00fcr eine IDEE von Universit\u00e4t haben wir heute? Haben wir \u00fcberhaupt eine Idee, oder eher unkoordinierte Ideenfragmente, ein Konzert von Bruchst\u00fccken aus unterschiedlichsten Lagern? Und: denken wir diese Idee nur auf der Ebene der Institutionen oder auch auf der Ebene des Studenten, des Individuums (Autonomiebegriff). Damals in M\u00fcnchen habe ich mich gefragt, ob der gute Humboldt denn f\u00fcr alles herhalten muss, f\u00fcr die glanzvolle Vergangenheit (Einheit von Forschung und Lehre, allgemeine Bildung, Individualit\u00e4t als Zweck) UND als Gew\u00e4hrsmann f\u00fcr die Zukunft, was ja im \u201eneu denken\u201c durchaus zum Ausdruck kommt. Also noch mal: was f\u00fcr eine Idee haben wir von universit\u00e4rer Bildung im 21. Jh. in Deutschland?<\/p>\n<p>Zum Schluss will ich doch noch die eingangs erw\u00e4hnte Policydebatte aufgreifen: wenn wir im Studium den unternehmerischen Studenten bekommen, wenn wir durch Gr\u00fcnderplattformen und Inkubatoren am Ende des Studiums Gr\u00fcnder hervorbringen und wenn wir im Zuge der Clusterbildung campusnahe arbeitende Ausgr\u00fcndungen w\u00fcnschen, dann erzeugen wir so etwas wie eine \u201eGr\u00fcndungspipiline\u201c. Unbeantwortet ist bisher die Frage, nach welcher Entscheidungslogik der Einzelne entlang dieser Pipiline handeln soll, denn er lebt ja im Grunde in zwei Systemen gleichzeitig: in der Logik der Wissenschaft und in der Logik des (Wirtschaft)Marktes. Sicherlich geh\u00f6ren solche \u00dcberlegungen auch zu der oben geforderten \u201eIdee\u201c der Universit\u00e4t. Eine komplexe Aufgabe, die sicherlich zu einem nicht geringen Teil deshalb entstanden ist, weil wir die \u201eWelt\u201c in die Universit\u00e4t geholt haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Z.Z. behandeln wir innerhalb der Ghostthinker-Gruppe das nicht ganz triviale Thema \u201ePolicy\u201c. Das sind Richtlinien f\u00fcr jeden Mitarbeiter, die im engen Sinne die Rechtefrage bei Produktionen, im weiten Sinne die Kulturfrage betreffen. 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