{"id":8812,"date":"2007-06-01T00:00:00","date_gmt":"2007-05-31T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8812"},"modified":"2018-08-31T20:04:48","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:48","slug":"evidenz-meets-partizipation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8812","title":{"rendered":"Evidenz meets Partizipation"},"content":{"rendered":"<p>Am Dienstag waren wir auf der schon angek\u00fcndigten Tagung an der Freiburger Universit\u00e4t. Es ging um das Thema \u201e<a href=\"http:\/\/www.patient-als-partner.de\/\">Partizipative Entscheidungsfindung in der Medizin<\/a>\u201c.  Die Vortr\u00e4ge und Diskussionen waren in der Tat sehr interessant. Im Grunde fand man zwei Gruppen: (a) die Einen, denen das Thema Partizipation nicht weit genug geht, die ein \u201eechtes\u201c Mitspracherecht im Enttscheidungsprozesse einfordern und (b) die Anderen, die sich darum bem\u00fchen, das in kontrollierten Studien erworbene, evidenzbasierte Wissen in einer angemessenen, laienverst\u00e4ndlichen Form in den Entscheidungsprozess einzubinden. Man merkt schnell: vordergr\u00fcndig geht es Sprachschwierigkeiten, hintergr\u00fcndig geht es um Machtverschiebungen.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig war, dass vom Gesundheitsbegriff relativ wenig bis gar keine Rede war. Mir selber geht es dabei gar nicht um Definitionsfragen, sondern der Gesundheitsbegriff ist f\u00fcr mich so etwas wie eine Integrationskraft zwischen den doch recht unterschiedlichen Interessen im medizinischen Kontext: es geht um MEINE Gesundheit und daf\u00fcr braucht man eben medizinisches (globales) Wissen, ebenso wie individuelles (lokales) Wissen.   Ja, hinter all dem steckt f\u00fcr mich eben die Grundsatzfrage, ob Partizipation eben auch hei\u00dft, eine aus medizinischer Sicht suboptimale Option in Kauf zu nehmen, weil der Patient (trotz tiefer Abw\u00e4gung) es eben so und nicht anders will. Auch hier noch mal nachgelegt: \u201emedizinisch suboptimal\u201c ist ja auch nur eine sehr fragmentierte Momentaufnahme. Wenn durch Einbeziehung des Patientenwissens Wege der Gesundung gefunden werden, die aus medizinischer Sicht nicht \u201eevident\u201c sind, aber sich im Ergebnis als positiv herausstellen, dann ist das doch f\u00fcr beide Seiten gut. Aber eben erst im Ergebnis. Ja und hier springt der Frosch ins Wasser: eine evidenzbasierte Medizin kennt kein Einzelwesen \u201eMensch\u201c. Die Methode erzwingt allgemeing\u00fcltiges Wissen durch ein artifizielles Untersuchungsdesign. Auf der einen Seite also das gesicherte Wissen aus systematischen aber ent-individualisierten Studien, auf der anderen Seite der Mensch in seiner individuellen Ganzheit. Wie bringt man das zusammen?<\/p>\n<p>  Am Abend haben wir dann noch mit den Kollegen vom Lehrstuhl H\u00e4rter (Klinische Epidemiologie und Versorgungsforschung) \u00fcber ein Informationsportal gesprochen und wie man den Gedanken der Partizipation im technischen Bereich umsetzen kann. Neben den vielen Anregungen aus der Tagung nehmen wir aber auch eines mit: wenn man den Patienten helfen will, wenn man ihm also ein nutzbringendes Instrument wie z.B. ein Informationsportal anbieten m\u00f6chte, dann muss man eine eigene Forschungsstrategie verfolgen, die sich nicht an den engen Grenzen der evidenzbasierten Medizin festklammert. Das methodische Design darf nicht die Intervention bestimmen. Der Weg muss umgekehrt gehen und man muss sich fragen d\u00fcrfen, mit welchem methodischen Design wir mit hoher Wahrscheinlichkeit nachhaltige Bildungsinnovationen \u2013 und da ist Partizipation systemimmanent &#8211; vorantreiben. Zumindest ergeben sich an dieser Stelle sehr spannende Fragen im Austausch zwischen Medizin und P\u00e4dagogik. Dabei ist es nicht so wichtig was beide trennt, sondern was beide verbindet: der Nutzen f\u00fcr den Patienten bzw. Lernenden.    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Dienstag waren wir auf der schon angek\u00fcndigten Tagung an der Freiburger Universit\u00e4t. Es ging um das Thema \u201ePartizipative Entscheidungsfindung in der Medizin\u201c. Die Vortr\u00e4ge und Diskussionen waren in der Tat sehr interessant. 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