{"id":8842,"date":"2008-03-22T00:00:00","date_gmt":"2008-03-21T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8842"},"modified":"2018-08-31T20:04:07","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:07","slug":"wir-machen-elite-garantiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8842","title":{"rendered":"Wir machen Elite, garantiert!"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Als ich mich vor ca. 17 Jahre in K\u00f6ln \u201eanschickte\u201c, zum Start meines Studiums eine Wohnung zu suchte, da war ich nicht erfolgreich: ca. 3 Wochen suchte ich in Zeitungen, zusammen mit Kollegen oder an Aush\u00e4ngen nach freien Wohnungen bzw. Zimmern. Ich erinnere mich wie ich genervt nach Hause ins Sauerland fuhr, mich an die Theke meines Vaters stelle (wir hatten ein Restaurant) und kurz mein Leid klagte. Vor der Theke stand ein Gast der mich fragt: \u201eWie, du hast kein Zimmer bekommen, m\u00f6chtest du eines haben?\u201c Verwundert sagte ich: \u201eNat\u00fcrlich!\u201c. Ca. 5 Minuten sp\u00e4ter hatte ich ein Zimmer in K\u00f6ln, in einer Villa, zusammen mit drei anderen Studienanf\u00e4ngern. Ich stellte bald fest, dass ich dort in einer nichtschlagenden, farbentragenden Verbindung gelandet war, deshalb war alles so g\u00fcnstig, deshalb ging alles so schnell. Obwohl ich einem nat\u00fcrlich angeborenen Reflex folgen wollte \u2013 n\u00e4mlich auf der Stelle kehrt zu machen \u2013 verbrachte ich fast ein ganzes Semester bei dieser Truppe um zu sehen, was sich hinter den Mauern der Verbindungselite verbarg. Im Kern habe ich Kamingespr\u00e4che, an denen K\u00f6lner Professoren sprachen oder den Jour fix kennen gelernt, ebenso die Idee des Lebensbandes. Eines ist mir aber noch fest in Erinnerung. Auf die Frage warum die anderen denn in einer Verbindung seien, sagten viele recht unverbl\u00fcmt, weil sie so nach dem Studium recht einfach an einen guten Job kommen w\u00fcrden. Mir war das auf eine unerkl\u00e4rliche Weise peinlich \u2026 bald darauf folgte ich meinen anf\u00e4nglichen Reflex \u2026 ich verlie\u00df die Verbindung. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Warum bringe ich dieses Erlebnis im Zusammenhang mit der Elitediskussion? Vor ein paar Tagen habe ich das Buch von <a href=\"http:\/\/www.hoffmann-und-campe.de\/go\/fc0b1e1c-fe94-bea4-cccf71629cec319c\">Julia Friedrichs<\/a> gelesen. Sie hat ein Jahr damit verbracht Eliten \u2013 meist in sog. Eliteinstitutionen \u2013 aufzusuchen um sie zu befragen, was das denn sei, \u201eElite\u201c. Das Buch endet ern\u00fcchternd. Sie findet keine Elite, nicht in Salem, nicht an den Business Schools, nicht in Harvard. Sie kann diese Eliten deshalb nicht finden, weil sie selber, implizit, eine (andere) Vorstellung davon hat, was Eliten sind. Sie hat hohe Anspr\u00fcche, die eher politisch motiviert sind. Sie sucht also letztlich an falschen Orten, dort wo es draufsteht, z.B. Eliteschule, kann es nicht drin sein \u2013 Etikettenschwindel. Eben die von ihr aufgesuchten Eliten erinnern mich an mein Angangsbeispiel, an den Kernmechanismus \u201eZugang bekommen\u201c \u2026 und zwar nicht \u00fcber Leistung sondern \u00fcber \u201eKontakte\u201c und damit letztlich \u00fcber Herkunft. Das ist kein notwendiger Mechanismus, aber doch ein sehr wahrscheinlicher. Was Julia Friedrichs letztlich entt\u00e4uscht, sind glaube ich zwei Dinge: erstens die Einsicht in diesen starken Mechanismus der \u201eExklusion\u201c \u2013 wer keine Eintrittskarte hat kommt nicht rein und die draussen sind, werden geringer gesch\u00e4tzt. Und zweitens die Einsicht, dass die aufgefundenen Eliten politisch wenig aktiv bis desinteressiert waren. Am Ende reicht es vielen (nicht allein z.B. dem Iraker im Buch) mit einem selbst erlegten Reh im Arm Schampus zu trinken, Papas Partei zu w\u00e4hlen und nat\u00fcrlich irgendwann richtiges Geld (definitiv nicht in der Politik) zu verdienen.<span>  <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Spricht da Neid? Nein, ich hoffe nicht, jeder soll Schampus, Steigenberger, Mini, Kragen, Kroko, Versage, Rothschild tragen &amp; trinken &amp; feiern wo und wie er\/sie will. Ich finde es nur unpassend, wenn sich eine Gruppe, die sich den ganzen Tag Gedanken zur eigenen Lebensweise + Abgrenzung zu anderen macht, \u201eElite\u201c nennt. \u00dcberhaupt finde ich, dass man jungen Menschen nicht mit diesen zentnerschweren Begriff kommen sollte, der &quot;ver-f\u00fchrt&quot;: das sensible Gem\u00fct wird erdr\u00fcckt, das \u00fcberm\u00e4\u00dfig Starke bl\u00e4ht sich k\u00fcnstlich auf. Warum nicht einfach nur \u201eseine Sache gut\u201c machen. Das klingt wenig sexy, ist aber gar nicht so einfach, zumal dann nicht wenn die Konkurrenz gro\u00df ist. Ach!? Ja ich bin P\u00e4dagoge, da darf man das sagen. Wahrscheinlich sind es aber auch diese beiden Eliteformen, die man besser auseinander halten sollte: auf der einen Seite der soziologische Begriff, dem es um die Beschreibung von gesellschaftlichen Herrschaftsverh\u00e4ltnissen und Reproduktionslogiken geht und auf der anderen Seite den normativ gemeinten Begriff der Elite, der Aussagen dar\u00fcber macht, machen will, welche Einstellungen, Verhaltensweisen und Absichten gemeinwohlf\u00f6rdernd sind. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Nun wei\u00df ich gar nicht wie ich enden soll. Vielleicht mit einer erfrischend Anekdote? Immer wieder muss ich schmunzeln \u00fcber die Geschichte von <a href=\"http:\/\/blog.coaster.de\/modules\/news\/\">Basti<\/a>, der auf der BA-Abschlussfeier im gediegenen Steigenberger Hotel lauthals gesagt haben soll: \u201eIch tat es f\u00fcr Deutschland!\u201c Damit irritierte er seine Kommilitonen und die Professorenschaft nicht schlecht. Ja, sowas ist Selbst-Ironie, vielleicht ein ganz wichtiger Baustein in einem wie auch immer gearteten Elitekonzept. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich mich vor ca. 17 Jahre in K\u00f6ln \u201eanschickte\u201c, zum Start meines Studiums eine Wohnung zu suchte, da war ich nicht erfolgreich: ca. 3 Wochen suchte ich in Zeitungen, zusammen mit Kollegen oder an Aush\u00e4ngen nach freien Wohnungen bzw. Zimmern. 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