{"id":8843,"date":"2008-03-24T00:00:00","date_gmt":"2008-03-23T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8843"},"modified":"2018-08-31T20:04:27","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:27","slug":"olympia-boykott-oder-nicht-oder-ist-das-die-falsche-frage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8843","title":{"rendered":"Olympia-Boykott oder nicht \u2026 oder ist das die falsche Frage?"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\"><em>\u201eDer Sport ist nicht in der Lage, Probleme zu l\u00f6sen, die weder die Vereinten Nationen noch einzelne Regierungen in jahrzehntelangen Anstrengungen bew\u00e4ltigen konnten\u201c, teilte der DOSB mit.<\/em> [<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2008\/13\/china-tibet-ioc-dosb?page=1\">ZEIT online<\/a>]<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Soweit das aktuelle Zitat von offizieller Seite. Ich wei\u00df, das ganze Geflecht aus Politik-Wirtschaft-Sport ist zu verzwickt als dass man schnelle und eineindeutige Handlungsstrategien daraus ableiten k\u00f6nnte. Hinzu kommt, dass man recht mutlos \u00fcber sich, die Olympische Bewegung oder allgemein den Sport urteilt: Er sei nicht in der Lage, politische Probleme zu l\u00f6sen, sagt man.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich bin bisweilen gespalten: Auf der einen Seite m\u00f6chte ich meinem politisch-humanistischen Reflex folgen und der chinesischen Regierung die rote Karte zeigen:<span>  <\/span>wegen der Gewalt in Tibet, wegen der Menschenrechtsverletzungen, wegen der augenf\u00e4lligen Instrumentalisierung der Spiele. Auf der anderen Seite denke ich, dass man die Situation nur ver\u00e4ndern kann, wenn man den Dialog sucht und den Anderen, das Andere, mit ins Boot holt. Genau eine solche Position verfolgen offenbar die Deutsche Regierung und der DOSB und andere Hilfsorganisationen. An anderer Stelle habe ich gelesen: \u201eWir brauchen keine Anti-China, sondern China-Strategie.\u201c Soweit so gut. <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Mir ist dieser erste Einstieg, hop oder top, aber zu wenig. Eine solche \u201eArgumentation\u201c verdeckt die Binnenkomplexit\u00e4t, die eine gro\u00dfe internationale Kulturbewegung zu managen hat und vor allem wird dadurch nicht sichtbar, welche Handlungsalternativen es f\u00fcr die Olympische Bewegung gibt. Aber, wer ist denn die Olympische Bewegung? Ja, das sind wir, die Zuschauer, das sind die SportlerInnen, die Betreuer und Trainer\/Innen, das sind die Journalisten, also all diejenigen, die die Freiheit dazu haben, die Stimme zu erheben, weil sie weder durch Gewalt bedroht, durch L\u00fcge verblendet oder wie die f\u00fchrenden IOC-Mitglieder an diplomatische Zur\u00fcckhaltung gebunden sind. Es geht also um beides und das ist wahrscheinlich so schwer zu verstehen: Es geht um die Sicherung eines internationalen Sportfestes der Jugend und es geht gleichzeitig um eine der gr\u00f6\u00dften Protestbewegungen gegen chinesische Gewalt im eigene Land und in Tibet! Genau in dieser GLEICHZEITIGKEIT von Ereignissen auf unterschiedlichen B\u00fchnen liegt die besondere, d.h.<span>  <\/span>sportlich-kulturelle Macht der Olympischen Bewegung! <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Man muss sich in der Tat immer bewusst machen, dass das IOC und die Olympische Bewegung immer schon auf d\u00fcnnem Eis gestanden hat, soll hei\u00dfen: Einerseits ist sie angewiesen auf den Zuspruch aus Politik und Wirtschaft (vgl. hierzu Coubertins Erinnerungen 1936). Andererseits darf man diese materielle Machtlosigkeit nicht zu einer generellen Machtlosigkeit verallgemeinern! Die Erfinder der neuzeitlichen Olympischen Spiele haben eine sehr machtvolle Idee in die Welt gesetzt. Gut 100 Jahre nach dieser Erfindung erzeugen die Olympischen Spiele eine weltweite Aufmerksamkeit, bei allen Bev\u00f6lkerungsschichten und damit ein \u201eGef\u00fchl von globaler Gemeinsamkeit\u201c. Das ist der zentrale Friedensbeitrag der Spiele, der unmittelbar aus der sportlich-kulturellen Inszenierung hervorgeht. Man kann sagen: \u201eDas ist zu wenig!\u201c Ich w\u00fcrde aber sagen: \u201eDas ist alles, was der Sport als SPORT-Bewegung geben kann, aber genau das ist seine Pflicht.\u201c <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Zusammen mit der oben erw\u00e4hnten Gleichzeitigkeit (besonderes Fest + systematischer Protest) ergibt sich f\u00fcr mich eine China-Strategie, die sicherlich nicht einfach umzusetzen ist, die aber den Machthabern in China zeigt: \u201eWenn ihr mit im Boot der Zivilgesellschaft sein wollt, dann M\u00dcSST ihr euch den Spiegel vorhalten lassen!\u201c Was definitiv nicht passieren darf<span>  <\/span>\u2013 und die Gefahr ist gro\u00df, weil dieser Weg nur eine Handbreit daneben liegt \u2013 ist, die Spiele zu spielen und im \u201evorauseilenden Gehorsam\u201c, aus \u201estrategischen Gr\u00fcnden\u201c oder \u201ewirtschaftlichen Interessen\u201c still zu halten, nichts zu sagen, mit den Machthabern zu sympathisieren \u2026 wie 1936. Genau dann n\u00e4mlich w\u00fcrde man das Kostbarste<span>  <\/span>der Olympischen Idee verspielen, die Hoffnung der Jugend, weil man die Botschaft vermitteln w\u00fcrde: <strong>Schaut weg!<\/strong> <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Botschaft sollte lauten: \u201eSchaut hin, sagt was ihr denkt, tauscht euch aus, vor allem mit der chinesischen Jugend \u2026 <strong>und<\/strong> konzentriert euch auf euren Wettkampf! Ja, von der Jugend der Welt, von der Olympischen allemal, wird viel verlangt. Aber das war ganz im Sinne Pierre de Coubertins, denn er hat explizit neben der kraftlosen Formel der \u201eToleranz\u201c den \u201egegenseitigen Respekt\u201c (Le respect mutuel) gesetzt. Und Respekt ist bei ihm mit mindestens drei Imperativen verbunden: das Fremde (gerade auch die Geschichte Chinas) kennenlernen, die \u00dcberzeugungen der anderen achten aber auch \u2026 das eigene Gewissen nicht ruhen lassen! <span> <\/span><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Literaturhinweise: <\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Coubertin, P. de: Die gegenseitige Achtung. Acadenia, 1988<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">G\u00fcldenpfennig, S.: Sport: Kunst oder Leben. Academia, 1996<span>  <\/span><span>  <\/span><span> <br \/><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer Sport ist nicht in der Lage, Probleme zu l\u00f6sen, die weder die Vereinten Nationen noch einzelne Regierungen in jahrzehntelangen Anstrengungen bew\u00e4ltigen konnten\u201c, teilte der DOSB mit. [ZEIT online] Soweit das aktuelle Zitat von offizieller Seite. Ich wei\u00df, das ganze Geflecht aus Politik-Wirtschaft-Sport ist zu verzwickt als dass man schnelle und eineindeutige Handlungsstrategien daraus ableiten  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-8843","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8843","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8843"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8843\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9216,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8843\/revisions\/9216"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}