{"id":8862,"date":"2008-11-11T00:00:00","date_gmt":"2008-11-10T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8862"},"modified":"2018-08-31T20:05:06","modified_gmt":"2018-08-31T19:05:06","slug":"alles-nur-klischee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8862","title":{"rendered":"Alles nur Klischee!"},"content":{"rendered":"<p>Gestern Abend waren wir (\u00d6konomie und Bildung e.V.) in der Hanns-Seidel Stiftung in M\u00fcnchen um unter der \u00dcberschrift &quot;Ist die \u00d6konomisierung der Bildung \u00f6konomisch?&quot; den Kontext Schule genauer unter die Lupe zu nehmen. Neben einer Einf\u00fchrung von Prof. B\u00f6hle und Prof. H\u00f6fling hatten wir den Politiker Josef Erhard (Amtschef im Bayrischen Staatsministerium), und die Professoren W\u00f6\u00dfmann (LMU) und Zymek(Uni M\u00fcnster) geladen. Zudem haben wir ein kleines\u00a0 Inprovisationstheater; zwischen Impulsreferate und Plenumsdiskussion geschoben, das f\u00fcr Erdung sorgen sollte.\u00a0 <\/p>\n<p>Alles im Allem war ich mit dem Abend zufrieden, weil die drei Redner je unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema geworfen haben: Herr Zymek als Erziehungswissenschaftler baute seine Argumentation sehr grunds\u00e4tzlich auf, sprach nicht nur, aber auch von einem neuen Menschenbild (der unternehmerische Mensch), was man ins Bildungssystem verankern wolle. Herr W\u00f6\u00dfmann fasste das Interesse (oder besser die Interessenlosigkeit?) des \u00d6konomen mit dem Kernpostulat zusammen: Menschen reagieren auf Anreize &#8230; und es gelte eben diese Anreize zum Wohle der Gesamtheit (als Handlungen aller) auszubalancieren. Herr Erhard vertrat eine vermittelnde Position, in der traditionelle Interessen (Allgemeinbildung) und Interessen des Arbeitsmarktes aufgehoben sein sollen, Humboldt und Siemens, so seine Worte. <\/p>\n<p>Wir haben \u00fcber viel gesprochen, \u00fcber Wettbewerb, Autonomie, Finanzierung etc., aber irgendwie nicht \u00fcber den Unterricht und die Perspektive derjenigen, die von der aktuellen Bildungsreform am meisten Betroffen sind, z.B. die G8 Sch\u00fcler. Wir hatten es ja in unserem Improvisationstheater angesprochen, es plakativ auf den Punkt gebracht: um so entkr\u00e4ftender ist es, wenn das alles als Klischee abgetan wird. Also eines ist sicher: beim n\u00e4chsten Treffen werden Studenten dabei sein, denen kann man dann nicht mehr so leicht sagen, <br \/>\n&quot;alles nur Klischee, das wird nur von den Medien hochgejubelt&quot;. Aktuell versuchen die Sch\u00fcler ihren Unmut durch eine Demo Luft zu machen, nicht nur in M\u00fcnchen, sondern bundesweit, das kann nicht nur Privatvergn\u00fcgen sein. <\/p>\n<p>Welche Erkenntnis nehme ich aus der gestrigen Veranstaltung mit? Sehr spannend fand ich den Kommentar der Herren Zymek\/B\u00f6hle, dass die Internationalisierung resp. Globalisierung zu einem common sence dar\u00fcber f\u00fchrt, wie man Bildung formal zu organisieren habe: in &quot;K\u00e4stchen&quot;, eine Metapher f\u00fcr Zeitma\u00dfe, Punkte und Inhaltseinheiten, also Streben nach Verrechenbarkeit. Genau diese (formale) B\u00fcrokratisierung &#8211; bei allen\u00a0 Entb\u00fcrokratisierungsbeschw\u00f6rungen &#8211; macht den neuen Herrschaftskampf aus. Nun ist die Diskussion in so schwindeligen H\u00f6hen wie bei Max Weber und seiner Ethik immer schwer. Einfach und greifbar ist das, was im Unterrichtsraum von diesen formalen Rahmenbedingungen ankommt: Tendenz zum Frontalunterricht, Verschlie\u00dfung gegen\u00fcber neuen Lehr-Lernformen, Eindimensionalit\u00e4t der Noten, weniger Projetarbeit, weniger Raum zur Problemreflexion, also all das, was man in Praxis und Wissenschaft (P\u00e4dagogischen Psychologie) unter gutem Unterricht versteht. Irgenwas l\u00e4uft da doch falsch?!<\/p>\n<p>Da hilft auch nicht viel, wenn Herr W\u00f6\u00dfmann auf die Kraft des Wettbewerbs zeigt: wo findet denn Wettbewerb statt?? Wettbewerb hie\u00dfe besser zu sein als andere in dem Ziel des nachhaltigen Lernens, hie\u00dfe nicht wie die Konkurrenz frontal zu unterrichten, hie\u00dfe innovative Lernl\u00f6sungen entwickeln, ausprobieren, optimieren, Schumpeters Credo folgen halt. Aber in Deutschlands Schulen wird nicht experimentiert, warum auch? In Schweden ist man da radikaler: um zu sehen welcher Unterricht besser ist, teilt man die Stadt in zwei H\u00e4lften: in Schulen der linken H\u00e4fte unterrichtet man nach der Methode a in der rechten H\u00e4fte nach der Methode b. Man sieht dann was rauskommt. Toll finde ich diesen Anstz deshalb, weil man eines offenbar wei\u00df: so viel kann man gar nicht falsch machen, selbst wenn man zur schlechten H\u00e4fte geh\u00f6rt lernt man beim Selbstexperiment mehr \u00fcber das eigene Lernen als sonst im 0-8-15 Verfahren. Kurzum: Bildungsreform f\u00e4ngt mit Unterrichtsreform an und genau hier m\u00fcssen wir einen unternehmerischen Lehrertypen anstreben und f\u00f6rdern &#8211; und ihn oder sie aber auch dann gew\u00e4hren lassen! Helge Staedtler hat es abends in kleiner Runde auf den Punkt gebracht: wir haben keine Bildungskrise, sondern eine Vertrauenskrise (in das Lehrpersonal an Schule und Universit\u00e4t).\u00a0<br \/>\n<!--[if gte mso 10]>\n\n\n<style>\n\/* Style Definitions *\/\ntable.MsoNormalTable\n{mso-style-name:\"Normale Tabelle\";\nmso-tstyle-rowband-size:0;\nmso-tstyle-colband-size:0;\nmso-style-noshow:yes;\nmso-style-priority:99;\nmso-style-qformat:yes;\nmso-style-parent:\"\";\nmso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt;\nmso-para-margin-top:0cm;\nmso-para-margin-right:0cm;\nmso-para-margin-bottom:10.0pt;\nmso-para-margin-left:0cm;\nline-height:115%;\nmso-pagination:widow-orphan;\nfont-size:11.0pt;\nfont-family:\"Calibri\",\"sans-serif\";\nmso-ascii-font-family:Calibri;\nmso-ascii-theme-font:minor-latin;\nmso-fareast-font-family:\"Times New Roman\";\nmso-fareast-theme-font:minor-fareast;\nmso-hansi-font-family:Calibri;\nmso-hansi-theme-font:minor-latin;}\n<\/style>\n\n\n<![endif]--><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern Abend waren wir (\u00d6konomie und Bildung e.V.) in der Hanns-Seidel Stiftung in M\u00fcnchen um unter der \u00dcberschrift &quot;Ist die \u00d6konomisierung der Bildung \u00f6konomisch?&quot; den Kontext Schule genauer unter die Lupe zu nehmen. 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