{"id":8869,"date":"2009-02-11T00:00:00","date_gmt":"2009-02-10T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8869"},"modified":"2018-08-31T20:04:49","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:49","slug":"ein-besuch-bei-der-ph-zuerich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8869","title":{"rendered":"Ein Besuch bei der PH Z\u00fcrich"},"content":{"rendered":"<p>\n<img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27200%27%20height%3D%27121%27%20viewBox%3D%270%200%20200%20121%27%3E%3Crect%20width%3D%27200%27%20height%3D%27121%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/ph.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"200\" height=\"121\" align=\"left\" \/>Montag und Dienstag war ich mit Gabi an der PH Z\u00fcrich. Sie hat dort ein abendliches Referat zum pers\u00f6nlichen WM gehalten und am Morgen einen Workshop-Impuls im Rahmen einer internen Dozentefortbildung gegeben (sie hat in ihrem <a href=\"http:\/\/medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de\/denkarium\/\">Blog<\/a> darauf hingewiesen). Solche Ausfl\u00fcge zu anderen Institutionen sind f\u00fcr mich immer inspirirend, eine Art Mindbreak. Man lernt neue, nette Menschen kennen (z.B. die Herren <a href=\"http:\/\/www.medienpaed-kassel.de\/index.php?page=Mitarbeiter-Moser\">Moser<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.phzh.ch\/personen\/thomas.merz\">Merz<\/a>) sieht aber auch, dass die Herausforderungen bei der Einf\u00fchrung der digitalen Medien in die Organisationen sehr \u00e4hnlich sind. An der PH Z\u00fcrich kann man das gut unter dem Stichwort \u201eWissensbasis\u201c analysieren \u2026 dazu im\u00a0 folgenden ein paar Worte.<\/p>\n<p>Die PH hat sich vor einiger Zeit entschieden eine Wissensbasis aufzubauen, die den Lehrenden bei der Gestaltung des Unterrichts helfen soll. Gemeint ist ein Pool an didaktisch aufbereiteten und hinreichend flexiblen Lernobjekten, d.h. PDF-Texte, E-Learning-Module, Videos, Podcast etc. Diese sollen von den Dozenten entwickelt und in diesen Pool gegeben werden. Ein raviniertes Anrechnungssystem soll diesen Prozess unterst\u00fctzen.\n<\/p>\n<p>\nVor allem am Dienstag Morgen wurde intensiv \u00fcber diese Wissensbasis diskutiert. Der Leiter des Projekts, Herr <a href=\"http:\/\/www.phzh.ch\/personen\/caspar.noetzli\">Casper Noetzli<\/a>, stellte hierzu den aktuellen Stand sehr anschaulich vor. Im Anschluss diskutierten die Bereichsleiter unter Moderation von Herrn Moser die Vor- und Nachteile in einer kleinen Podumsrunde, wobei ein kritisch-konstruktiver Gesamtblick gewollt war. Zu dieser Sicht geh\u00f6rten folgende, wie ich finde berechtigte, Fragen: (a) Unterst\u00fctzt eine solche Wissensbasis den Zweck einer <em>genuin p\u00e4dagogischen<\/em> Einrichtung? Hier wurde vor allem das Defizit gesehen, dass eine Wissensbasis nicht die Vermittlungskompetenz angehender LehrerInnen unterst\u00fctzen kann. In der Folge ist fragw\u00fcrdig, ob es am Ende dem Sch\u00fclerIn in der Schule zu gute kommt. b) Sind wir auf die F\u00fclle der koordinativen Aufgaben aus Leitungssicht vorbereitet? Brauchen wir ein prim\u00e4r <em>organisationales Konzept<\/em>, dass die button up Initiativen zusammenh\u00e4lt? c) Wer \u00fcbernimmt die <em>Verantwortung<\/em> f\u00fcr die Wissensbasis (deren Aufbau, Nutzung, Pfege, Zweck), wenn die Beteiligten eben nicht wissen, was mit ihren Lernobjekten geschieht? Letzteres wird besonders brisant, wenn man an ein OER-Szenario denkt, bei dem sich auch andere PHs beteiligen. Zusammenfassend: Welchen <em>Sinn<\/em>, sieht man als Lehrender in der Erstellung solcher Lernobjekte und der Beteiligung am prozess, wenn offene Fragen auf der Unterrichts-, Personal- und Organsiationsebene zu finden sind? <\/p>\n<p>Ich fand die Diskussionsrunde sehr sympathisch, weil die Kernfragen offen und kontrovers angesprochen wurden, weil man um die beste L\u00f6sung ringt. Man sp\u00fcrt: Den Beteiligten ist das wichtig! Und der p\u00e4dagogische Gesamtzweck ger\u00e4t nicht aus dem Blick. <\/p>\n<p>Im Nachgang habe ich mich gefragt: wie ist es m\u00f6glich, dass ein so kleines Wort wie \u201eWissensbasis\u201c eine ganze Organisation nerv\u00f6s macht? Ich denke, weil damit &#8211; wie in den Fragen oben angedeutet &#8211; auf jeder Ebene substanzielle\u00a0 Ver\u00e4nderungen impliziert sind, \u00c4nderungen in Richtung Arbeitsroutinen, Kooperationsbedingungen oder p\u00e4dagogisches Selbstverst\u00e4ndniss. Neu ist der organisationale Druck, der die prim\u00e4r p\u00e4dagogischen Gedanken durch Kontroll-, Standardisierung- und Finanzinteressen zu einem Kompromiss, ggf auch zu einen Widerspruch treiben, wie wir es von der <a href=\"http:\/\/www.imb-uni-augsburg.de\/files\/Web%202.0%20und%20Bologna_E-University_preprint.pdf\">Bolognadiskussion<\/a> kennen.\n<\/p>\n<p>\nWas tun? Ich hatte den Eindruck, dass die oben angesprochenen Bedenken &quot;gefangen&quot; sind in mentalen Vorstellungen, die nicht deutlich genug expliziert wurden. Hier ist f\u00fcr mich die zentrale Frage, ob der Begriff der \u201eWissensbasis\u201c ungewollt vieles kaputt macht oder die Aktivit\u00e4ten in eine falsche Richtung bringt. Was stellen wir uns vor, wenn wir von einer Wissensbasis reden, in der jeder sein Wissen \u201eeinf\u00fcllen\u201c soll? Merken sie was? Da steckt schon eine Gef\u00e4\u00dfmetapher drin. Denken wir bei Wissensbasis unausgesprochen an einen gro\u00dfen See, in der jeder ein Becher Wissen einbringt, in der Hoffnung, dass man dann sp\u00e4ter einmal <img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27300%27%20height%3D%27133%27%20viewBox%3D%270%200%20300%20133%27%3E%3Crect%20width%3D%27300%27%20height%3D%27133%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/garten.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"300\" height=\"133\" align=\"left\" \/>darauf segeln kann? Denken wir an einen gemeinsamen Garten, indem jeder Blumen pflanzt, an deren Sch\u00f6nheit man sich dann gemeinsam erg\u00f6tzen kann oder denken wir (um beim Garten zu bleiben) an H\u00e4user mit Vorg\u00e4rten, in denen jeder Hausbesitzer seinen Vorgarten sch\u00f6n gestaltet, auf den er\/sie stolz ist, den aber auch jeder Spazierg\u00e4nger betrachten kann. Was mich interssiert sind die impliziten mentalen Modelle, mit denen die Beteiligten den Begriff der Wissensbasis konzeptionieren. In diesem Konzept (See, Gemeinschaftskarten, Vorgarten etc.) sind dann n\u00e4mlich die Verhaltensweisen und \u201eBringschulden\u201c sowie die emotionalen Bewertungen eingespurrt. <\/p>\n<p>Die Besch\u00e4ftigung mit impliziten mentalen Modellen ist f\u00fcr mich keine akademische Frage, denn: jeder der Ver\u00e4nderungen in Organisationen unterst\u00fctzen will, der trifft auf diese mentalen Barrieren. Oft diskutiert man heftig in x Arbeitskreisen \u00fcber die Themen Motivation,\u00a0 IT-Architektur, Tools,\u00a0 p\u00e4dagogische Ziele, Content, also \u00fcber Dinge, die richtig sind, aber nicht den Kern der pers\u00f6nlichen Einstellungen treffen. Es w\u00fcrde vielleicht eine spannende Diskussion ergeben, wenn man die Beteiligten zu einem Workshop einl\u00e4d, bei dem es ausschlie\u00dflich um die Explizierung der eigenen mentale Modelle zum Thema Wissensbasis geht und zwar mit Fokus auf analoge-metaphorische Vorstellungen &#8211; neutraler Boden sozusagen. Karin Moser von der Uni Z\u00fcrich hat hierzu ein gutes <a href=\"http:\/\/www.uni-leipzig.de\/~biocog\/teap99\/abstracts\/9811191159.html\">Workshopprogramm<\/a> entwickelt, da kann man sich Anregungen holen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montag und Dienstag war ich mit Gabi an der PH Z\u00fcrich. Sie hat dort ein abendliches Referat zum pers\u00f6nlichen WM gehalten und am Morgen einen Workshop-Impuls im Rahmen einer internen Dozentefortbildung gegeben (sie hat in ihrem Blog darauf hingewiesen). Solche Ausfl\u00fcge zu anderen Institutionen sind f\u00fcr mich immer inspirirend, eine Art Mindbreak. 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