{"id":8875,"date":"2009-04-05T00:00:00","date_gmt":"2009-04-04T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8875"},"modified":"2018-08-31T20:04:27","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:27","slug":"pattern-in-der-paedagogik-und-implizite-ordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8875","title":{"rendered":"Pattern in der P\u00e4dagogik und implizite Ordnung"},"content":{"rendered":"<p>\nEher zuf\u00e4llig bin ich in eine Diskussion zu Pattern hineingestolpert, die Peter Baumgartner (<a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/weblog\/diskussion-um-entwurfsmuster-ansatz-starten\">hier<\/a>) in seinen Blog \u201eangestiftet\u201c hat. Ausgangspunkt war ein Besuch von Peter in T\u00fcbingen, wo er Erg\u00e4nzungsbedarf gerade in Hinblick auf eine (wissenschafts-)theoretische Verankerung des Themas gesehen hat und sieht. Unter den Begriff des \u201eEntwurfsmuster\u201c m\u00f6chte Peter den Pattern-Ansatz f\u00fcr die P\u00e4dagogik\/Didaktik fruchtbar machen, wobei es ihm besonders um ein dynamisches Verst\u00e4ndnis geht, d.h. um die Bedingungen f\u00fcr p\u00e4dagogisch wertvolle Konfigurationen.<\/p>\n<p>Mit dem Wort \u201eKonfiguration\u201c ist dann auch der Auftakt zu einer eher beschwerlichen Diskussion angesprochen, die noch eine ganze Reihe weiterer philosophisch aufgeladener Begriffe beinhaltet (<a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/weblog\/muster-als-emergentes-phaenomen\">hier<\/a>). Wer also gleich am T\u00fcreingang das Ziel oder gar einen konkreten Nutzen erwartet, der d\u00fcrfte entt\u00e4uscht werden.\n<\/p>\n<p>\nWas also erwartet man, wenn man sich mit Begriffen wie Emergenz, Supervenienz, Ozillation oder Koh\u00e4renz besch\u00e4ftigt? Bei mir selber ist es so, dass sie zun\u00e4chst reizvoll klingen weil sie auf eine \u201etiefer liegende\u201c Ordnung verweisen (siehe unten). Das klingt ganz nach Weltformel und wahrscheinlich ist es diese Sehnsucht nach Einheit, die das (meist) m\u00e4nnliche Entdeckerherz ;-) h\u00f6her schlagen l\u00e4sst.\n<\/p>\n<p>\nIn den bisher gemachten Blog-Kommentaren von <a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/weblog\/lebendige-strukturen-in-raum-und-zeit-I\">Peter<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/weblog\/mustertheorie-eine-buchrezension\">Christian<\/a> und <a href=\"http:\/\/medienpaedagogik.phil.uni-augsburg.de\/denkarium\/?p=896\">Gabi<\/a> wird deutlich, dass die Diskussion auf recht unterschiedliche Niveau, vor allem aber mit einem unterschiedlichen Interesse gef\u00fchrt wird. Derzeit sehe ich Peter, der von den o.g. Konzepten befl\u00fcgelt ist, Gabi geht auf kritische Distanz und stellt den Nutzen in Frage, Christian versucht (zun\u00e4chst) die p\u00e4dagogische Ausgangsfrage (vor einem informationstechnischen Hintergrund) zu pr\u00e4zisieren.\n<\/p>\n<p>\nAus meinen bisherigen Kommentaren in Peters Blog wird nicht klar, in welche Richtung ich gern weiter denken m\u00f6chte: Einerseits kritisiere ich den bisherigen Pattern-Ansatz, weil er unspezifisch bleibt und von der Anlage her das Allgemeine sucht, was das Besondere der Bildung verfehlen kann. Andererseits gef\u00e4llt mir die Diskussion mit schwindlig hohen Konzepten, weil der analoge Blick andere Perspektiven freilegt, die man sonst nicht sieht. Da ich mich in letzter Zeit intensiver mit dem Buch von <a href=\"http:\/\/seiler-auerbach.de\/index.html\">T.B. Seiler<\/a> besch\u00e4ftige, interessiert mich eine genuin psychologische Perspektive (siehe hierzu auch Gabis Buch <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wissenswege-Methoden-f%C3%BCr-pers%C3%B6nliche-Wissensmanagement\/dp\/3456843488\">Wissenswege<\/a>). Interessanter Weise spielen f\u00fcr Seiler die Konzepte Supervenienz und Emergenz auch eine Rolle und zwar im Zusammenhang mit dem Bewusstsein. Und von hier aus gedacht: Welche Spezifika und Invarianten lassen sich z.B. beim Konzept der Emergenz feststellen, wenn man den Kontext der Anwendung wechselt? Wenn man z.B. Bewusstseinsph\u00e4nomene auf der einen und didaktische Settings auf der anderen Seite in den Blick nimmt oder gar organsiationale Effekte beobachtet?\n<\/p>\n<p>\nIch befinde mich mit solchen Fragen weit ab von dem, was meinen Alltag als Unternehmer ausmacht \u2026 oder nicht? Einerseits ja, weil das Nachdenken \u00fcber Emergenz (noch) nicht von Kunden bezahlt wird. Andererseit- so meine ich &#8211; helfen mir solche Konzepte bei der Gestaltung und Begleitung von Lernwelten: gar nicht mal im positiven und verfahrenstechnologischen Sinne, sondern eher in dem Sinne, dass ich die Grenzen des unmittelbar Gestaltbaren (und Denkbaren?) besser akzeptiere und dabei eine \u201eRessource\u201c vermehrt ins Spiel bringe, die ich f\u00fcr wesentlich halte: <strong>Vertrauen<\/strong>. Wer Lernen, gar ein neues, weil technologiebasiertes Lernen initiieren und begleiten will, der muss im Kontext seiner T\u00e4tigkeit Angst und Misstrauen reduzieren oder positiv gewendet, Vertrauen in (neue) Technologien, (neue) Rollen und (neue) Lerneffekte st\u00e4rken, eine gemeinsame Sprache f\u00f6rdern ohne Unterschiedlichkeiten zu \u00fcbergehen. Nur wenn diese wichtige Randbedingung im Kontext der Didaktik erf\u00fcllt ist, glaube ich, wird das wahrscheinlich, was man weiter oben mit Emergenz u.\u00e4. einzufangen sucht.\n<\/p>\n<p>\nDie neue Frage ist nun: Was hei\u00dft \u201eVertrauen schaffen\u201c aus einer Emergenz- oder Koh\u00e4renzperspektive? Einerseits denke ich da (wie schon \u00f6fter erw\u00e4hnt) an Michael Lissack, der z.B. in seinem 2002 ver\u00f6ffentlichten Herausgeberband \u201e<a href=\"http:\/\/www.amazon.com\/reader\/1567204279?_encoding=UTF8&amp;ref_=sib_dp_pt#reader\">Interaction of Complexity and Management<\/a>\u201c vor allem die Bedeutung der Sprache f\u00fcr die Schaffung von Koh\u00e4renz (komplexe Stimmigkeit) im Individuum, Team und Organistion hervorhebt. Deshalb spielen f\u00fcr ihn z.B. Stories, Metaphern, Analogien \u00fcberhaupt die Besch\u00e4ftigung mit mentalen Modellen eine wichtige Rolle.\n<\/p>\n<p>\nUnd andererseits \u2026 Ja, ich denke beim Thema &quot;tieferliegende Ordnung&quot; an <a href=\"http:\/\/www.klawi.de\/bohm.htm\">David Bohm<\/a>, an seine \u201eimplizite Ordnung\u201c, an sein Einf\u00fchrungsbeispiel mit den zwei Glaszylindern mit der viskosen Fl\u00fcssigkeit, den bunten Farbtropfen, die sich bei jeder Drehung in die \u201eGanzheit\u201c der Fl\u00fcssigkeit eindrehen und bei der richtigen Anzahl der R\u00fcck-Drehung \u201eaus dem Nichts\u201c zum Vorschein kommen (genaue Beschreibung <a href=\"http:\/\/www.eugwiss.udk-berlin.de\/schmid\/diss\/III.37.html\">hier<\/a>). Ich h\u00e4nge seit meiner ersten Didaktikpr\u00fcfung 1992 an diesem Beispiel, bin fasziniert von der Idee der Ein- und Ausfaltung der Wirklichkeit, hierzu Bohm: <em>\u201eMan kann dadurch einen vorl\u00e4ufigen Eindruck von der Einfaltung bekommen, da\u00df man sich ein St\u00fcck Papier vorstellt, es in der Vorstellung mehrere Male faltet, Nadeln in das Papier sticht, es einschneidet und entfaltet. Man erh\u00e4lt so ein Muster. Also liegt das Muster zun\u00e4chst eingefaltet und dann entfaltet vor.\u201c<\/em> Wenn man nun diesen Musteransatz dynamisiert, dann kommt man zu dem was Bohm \u201eHolobewegung\u201c nennt: <em>\u201eMein Vorschlag ist nun, da\u00df die Holobewegung die zugrundeliegende Wirklichkeit darstellt, so weit wir dies \u00fcberhaupt sagen k\u00f6nnen, und da\u00df alle Einheiten, Objekte und Formen, wie wir sie normalerweise kennen, relativ stabile, unabh\u00e4ngige und autonome Auspr\u00e4gungen der Holobewegung darstellen, so wie ein Strudel eben eine solche Auspr\u00e4gung des Flie\u00dfens einer Fl\u00fcssigkeit ist.&quot;<\/em>\n<\/p>\n<p>\nKommt man von diesen analogen Vorstellungen wieder zu den Grundfragen der Didaktik\/P\u00e4dagogik zur\u00fcck? Was hat man erreicht, wenn man Wirklichkeit als untrennbare \u201eHolobewegung\u201c interpretiert? Hat das gar Auswirkungen auf unser Verst\u00e4ndnis von Subjekt und Objekt (Fragmente), Bewusstsein und Materie, auf unsere Sprache und das gegenseitige Verstehen, auf den (nicht psychologischen!) Grund, WARUM wir Vertrauen haben k\u00f6nnen?\n<\/p>\n<p>\nIch befinde mich in Grenzgebieten, &#8230; aber ich vermute hier eine Verbindung zu dem, was Peter zu den <a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/weblog\/lebendige-strukturen-in-raum-und-zeit-I\">Ganzheitskonzepten<\/a> von Christopher Alexander zusammengetragen hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eher zuf\u00e4llig bin ich in eine Diskussion zu Pattern hineingestolpert, die Peter Baumgartner (hier) in seinen Blog \u201eangestiftet\u201c hat. Ausgangspunkt war ein Besuch von Peter in T\u00fcbingen, wo er Erg\u00e4nzungsbedarf gerade in Hinblick auf eine (wissenschafts-)theoretische Verankerung des Themas gesehen hat und sieht. 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