{"id":8876,"date":"2009-04-14T00:00:00","date_gmt":"2009-04-13T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8876"},"modified":"2018-08-31T20:04:12","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:12","slug":"sind-pattern-analogien-entwurfsmuster-zwischen-kreativem-entwurf-und-wiederkehrendem-muster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8876","title":{"rendered":"Sind Pattern Analogien? Entwurfsmuster zwischen (kreativem) Entwurf und (wiederkehrendem) Muster"},"content":{"rendered":"<p>\nHeute habe ich mir den Vortrag von <a href=\"http:\/\/connect.iwm-kmrc.de\/p43129003\/\">Christian Kohls<\/a> bei e-teaching.org angesehen bzw. angeh\u00f6rt. Die kompakte Darstellung zur Frage, was Pattern\/Entwurfsmuster sind und wie man sich den Mehrwert genau vorstellen kann, ist kurzweilig und klar. Beim Referat sind mir aber doch einige Fragen aufgekommen, die ich hier zusammenfassend darstellen will. Dabei ist das (wieder) zentral, was ich bei Peter angemerkt hatte: die Rolle der <a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/weblog\/emergenz-supervenienz-und-andere-wortungeheuer\">Analogie<\/a> als Erkenntnisverfahren im Kontext der noch jungen Patternforschung. Ich greife zun\u00e4chst Christians Hauptbotschaften auf und mache dann meine Anmerkungen.<\/p>\n<p>Christian definiert Pattern als \u201ewiederkehrendes Muster\u201c. Das sind Beschreibungen von mehrfach zu beobachteten Zusammenh\u00e4ngen zwischen Kontext-Problem-L\u00f6sungs-Sequenzen, wobei ihm der (vom Menschen) gemachte Entwurfs- bzw. Designcharakter wichtig ist. Neben Architektur (eingef\u00fchrt von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christopher_Alexander\">C. Alexander<\/a>) sieht Christian den Mehrwert des Patternansatzes f\u00fcr die Softwareentwicklung und schlie\u00dflich f\u00fcr die Didaktik\/das E-Learning.\n<\/p>\n<p>\nUm den Patternansatz f\u00fcr den Zuh\u00f6rerIn anschaulich zu machen, f\u00fchrt Christian in eine (ausgewachsene) Analogie ein: Er zeigt an einer Landkarte, dass ein Wanderer einen \u201erichtigen Weg\u201c (Ziel) finden kann, d.h. mit unterschiedlichen \u201eWirkkr\u00e4fte\u201c und \u201eWiderst\u00e4nde\u201c konfrontiert ist (Probleme), wenn er von einem bestimmten! Punkt A (Kontext) zu einem Ziel B (L\u00f6sung) gelangen will.\n<\/p>\n<p>\nUnd hier kommt gleich meine erste Frage: So sehr ich den Wert von Analogien als heuristisches Erkenntnisverfahren und Veranschaulichungsmittel mag, muss man doch bei der Zielsetzung des Transfers, n\u00e4mlich den Gebrauch f\u00fcr die Didaktik, festhalten, dass die topologische Struktur der Landkarte sich durch drei Merkmale auszeichnet. Sie ist: invariant, ahistorisch und nicht intentional. Das sind aber drei wesentliche! Beschreibungsmerkmale von didaktischen Settings. Mir liegt fern, Christian zu unterstellen, er habe das nicht bemerkt. Mir selber ist dieser Punkt deshalb so wichtig, um schon sehr fr\u00fch auf die Besonderheiten (strukturerhaltende Differenzen!) von Mustern zwischen den Einsatzkontexten (Architektur, Software, Didaktik) hinzuweisen \u2013 Analogien verleiten dazu, dass man zwar das allgemeine Muster, die allgemeinen Systemmerkmale erkennt, das Besondere aber in der Regel (zu) wenig beleuchtet.<\/p>\n<p>Genau hieran schlie\u00dft sich eine Aussage von Christian gegen Ende des Vortrags an, wo er sagt, dass das Erkennen von Mustern im Bereich der Softwareentwicklung (Observer) relativ leicht f\u00e4llt, w\u00e4hrend sich Pattern im Kontext der Didaktik (sog. Lernpattern) sich durch \u201eFl\u00fcchtigkeit, flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge und Unsichtbarkeit\u201c auszeichnen. Leider geht Christian auf diese systemtypischen Merkmale nicht weiter ein, sondern ist zuversichtlich \u201eauch im Bereich E-Learning\u201c solche Muster wie die der Observer finden zu k\u00f6nnen, wie u.a. die Beispiele bei e-teaching.org zeigen. Wichtig sei, die \u201eEssenz\u201c, das \u201eWesentliche\u201c aus einem Lernsetting herauszuholen und dieses durch Pattern zu beschreiben. <\/p>\n<p>Nachdem ich mir die Beispiele von Christian angeschaut habe, bin ich mir einigerma\u00dfen sicher was mich an diesem Ansatz (so wie ich ihn bisher verstehe) st\u00f6rt: die Herausl\u00f6sung von a l l g e m e i n e n Mustern (das ist doch mit Essenz gemeint!?) f\u00fchrt letztlich zu rel. einfachen (weil kontextunspezifischen) Handlungsregeln, die man \u00fcber die didaktischen Settings hinweg einsetzen kann. F\u00fcr mich ergibt sich damit die zentrale Vorgehensfrage: Ist das Wesentliche (in der Didaktik!!) das Allgemeine oder das Besondere oder eine noch zu spezifizierende \u201eMischung\u201c aus diesen beiden Quellen? Das meinte ich bei <a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/weblog\/emergenz-supervenienz-und-andere-wortungeheuer\">Peter<\/a>, als ich nach der Q u a l i t \u00e4 t\u00a0 der\u00a0 p \u00e4 d a g o g i s c h e n Pattern fragte. <\/p>\n<p>Sicherlich war Christians Hinweis, \u201eBeispiele vor der Onlinevorlesung vorzubereiten\u201c nicht gl\u00fccklich gew\u00e4hlt, da es erstens nicht immer so sein muss (Beispiele lassen sich unter einer didaktischen Perspektive auch sinnvoll ad hoc entfalten) und zweitens ist eine gute Vorbereitung zur Verhinderung von unn\u00f6tigen Pausen oder Redundanzen fast schon eine Sekund\u00e4rtugend ;-). <\/p>\n<p>Im letzten Absatz will ich noch einmal auf das Verh\u00e4ltnis von \u201eallgemein und besonderen\u201c zur\u00fcckkommen und hier den Akzent in Richtung kreativen Entwurf (das Besondere) und der Anwendung von wiederkehrenden Mustern (das Allgemeine) ins Auge fassen. Friedrich Hesse hat in seiner Habilitationsschrift das Thema \u201eAnaloges Probleml\u00f6sen\u201c bearbeitet. Er distanziert sich von einer reinen regelorientierten-schemainduzierten Strategie zugunsten eines zumindest komplement\u00e4r wirksamen, exemplarorientierten Vorgehens (Hesse, 1991, 199ff). Was hat das mit Pattern zu tun? Ich sehe Parallelen zwischen dem Bem\u00fchen der Patternforscher und den Analogieforschern: beide gehen zun\u00e4chst von verallgemeinerten Mustern aus (Schema; Muster\u00fcbereinstimmungspr\u00fcfung = mapped indentity bei Gick &amp; Holyoak). Struktur-, System- oder Prozessanalogien sind nichts anderes als stabile oder dynamische Muster einer \u201eKontext-Problem-L\u00f6sungs\u201c-Sequenz oder -Einheit oder auch einer dynamischen Konfiguration. Um diese aber in einem anderen p\u00e4dagogischen \u201eFall\u201c als relevant einzustufen und fruchtbar anzuwenden (wie in der Didaktik t\u00e4gliche Praxis), muss man die \u00c4hnlichkeit erkennen, Teile des L\u00f6sungsschemas \u00fcbertragen und Teile aus dem Beispiel, dem neuen Fall, extrahieren. Letztlich geht es darum, dass man mit der \u201eanalogen Kr\u00fccke\u201c (dem Pattern) den neuen und immer wieder besonderen, weil historisch einmaligen und intentional aufgeladenen Fall (kreativ) neu entwirft. <\/p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn wir das Augenmerk bei p\u00e4dagogisch-didaktischen Pattern neben den allgemeinen Mustern auf die strukturellen Differenzen (structure preserving differences) legen, also auf das, was den je eigenen Fall vom anderen Fall unterscheidet (eben nicht das analoge Muster)? Das klingt wenig wissenschaftlich, ich wei\u00df. Aber die Lehrenden und die, die es werden wollen, sch\u00fctzt man mit einer solchen Strategie vor rezeptartigen Empfehlungen und sie gewinnen mit der Zeit ein Gesp\u00fcr (Kompetenz?) f\u00fcr die zentrale Aufgabe: den besonderen Fall als solchen zu erkennen, daraufhin besondere, d.h. kreative und situationsangemessene, Handlungsmuster zu entwerfen. Letztlich ist das etwas f\u00fcr K\u00fcnstler und Jongleure und nicht f\u00fcr Wissenschaftler und Architekten ;-) \u2026 oder?<\/p>\n<p>Fazit: Die Rolle der Analogie (M\u00f6glichkeiten &amp; Grenzen) ist im Kontext der Patternforschung aus meiner Sicht wichtig und zwar in zweifacher Hinsicht:\n<\/p>\n<ul>\n<li>Bei der Transferleistung aus der Architektur\/ Softwareentwicklung ins didaktische Feld (materiale-, soziale-, mentale- Wirklichkeit). <\/li>\n<li>Bei der Bestimmung der Reichweite des Patternansatzes innerhalb des didaktischen Feldes (Pattern als analoge Probleml\u00f6sung).\n\t<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute habe ich mir den Vortrag von Christian Kohls bei e-teaching.org angesehen bzw. angeh\u00f6rt. Die kompakte Darstellung zur Frage, was Pattern\/Entwurfsmuster sind und wie man sich den Mehrwert genau vorstellen kann, ist kurzweilig und klar. 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