{"id":8889,"date":"2009-09-11T00:00:00","date_gmt":"2009-09-10T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8889"},"modified":"2018-08-31T20:04:48","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:48","slug":"fernausbildungskongress-der-bundeswehr-eindruecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8889","title":{"rendered":"Fernausbildungskongress der Bundeswehr &#8211; Eindr\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>\n<img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27281%27%20height%3D%27116%27%20viewBox%3D%270%200%20281%20116%27%3E%3Crect%20width%3D%27281%27%20height%3D%27116%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/FAB1.jpg\" alt=\"\" width=\"281\" height=\"116\" align=\"left\" \/>Am Mittwoch und Donnerstag war ich in Hamburg auf dem <a href=\"http:\/\/www.hsu-hh.de\/teletutor\/index_7Gz0HkiKKKKjjjjj.html\">Fernausbildungskongress der Bundeswehr<\/a>. Von meinem ersten Besuch 2004 wusste ich, dass dort sowohl Milit\u00e4rs als auch zivile Besucher zum Thema E-Learning zusammenkommen. Das f\u00fchrt \u2013\u00a0 oberfl\u00e4chlich betrachtet \u2013 zu einem speziellen Bild der Tagung: Einerseits sieht man recht viele \u201eRocktr\u00e4ger\u201c, also Uniformierte aller Gattungen und Offiziersstufen, andererseits zeigen viele Aussteller aus dem Bereich (Kampf)- Simulationssoftware ihre Produkte, wie man es z.B. von der Learntec kennt. Soweit zum visuellen Eindruck.<\/p>\n<p>Mittwoch Nachmittag sa\u00df ich in einem interessanten Workshop zum Thema \u201e<a href=\"http:\/\/www.hsu-hh.de\/teletutor\/index_iMYhyIIjptgvFhPB.html\">Entdeckendes-spielerisches Lernen in neuen, virtuellen Welten<\/a>\u201c (Dr. Weller). Dort hat der erste Referent (der Name ist mir entfallen) Eckwerte zu einem geplanten Projekt vorgestellt, indem es inhaltlich um den Bereich Sanit\u00e4ter\/Notarztausbildung gehen soll. Augenf\u00e4llig an der \u201eMachbarkeitsstudie\u201c war der starke Fokus auf IT-Fragen: Nutzung von Java oder Flash, Rechtesysteme, Sicherheit, welche Programmier-Engine nutzen wir? Aus meiner Sicht relativ blau\u00e4ugig (Herr <a href=\"http:\/\/www.ifs-tud.de\/ifs\/Arbeitsbereiche\/Bewegungswissenschaft\/Wiemeyer\/profil.html\">Wiemeyer <\/a>von der TU Darmstadt hat im Folgereferat auch darauf hingewiesen) wurde mit der zentralen Herausforderung des Storydesigns und Gameplay umgegangen: Wer bereitet die Inhalte aus dem Fachkontext f\u00fcr welchen Zweck auf (geht es um \u00dcben, Spielen, Lernen?), wer ist die genaue Zielgruppe (M\u00e4nner, Frauen etc.), welche Spielidee\/Strategie liegt zugrunde, wie sieht das \u00fcbergreifende Lernkonzept aus, indem die Game-Komponente eingebettet ist etc. Vielleicht war das nicht der\u00a0 Referatsschwerpunkt (der Kollege war IT-ler), ich wei\u00df, aber aus dem Projekt von <a href=\"http:\/\/www.imb-uni-augsburg.de\/frederic-adler\">Frederik Adler<\/a> wei\u00df ich, wie aufw\u00e4ndig z.B. das Konzept zum Game Play ist, so dass der ganze Summs auch funktioniert, spricht MACHBAR ist (= Machbarkeitsstudie).<\/p>\n<p>Am Donnerstag Vormittag konnte ich mir die Referate eines amerikanischen Milit\u00e4rs (Joseph Camacho), zweier Vertreter der Bundeswehr (Brigardegeneral Kloss und Barth) und <a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/\">Gabi (Reinmann)<\/a> anh\u00f6ren. Ich muss klar sagen, dass die ersten drei Referate f\u00fcr systeminterne Zuh\u00f6rer, also Vertreter des Milit\u00e4rs, gedacht\u00a0 waren, denn: Da ging es fast ausschlie\u00dflich um Organigramme (wo ist das Projekt\u00a0 aufgehangen, Budgetwerte), abstrakte und austauschbare Zielformeln (Qualit\u00e4t, Effizienz, 24\/7, global, etc.) und Milit\u00e4rbeispiele, die in ihrem Inhalt unscharf blieben (story telling, game based, Individualisierung). Kurz: spannend sind die Geldsummen, die in diesem Bereich bewegt werden, unpassend f\u00fcr eine wissenschaftliche Tagung &#8211; so meine ich &#8211; waren die Vortr\u00e4ge der Milit\u00e4rs, weil darin weder Theorie noch Empirie noch bildungspolitische Rahmungen zur Sprache kamen. Gerade Letzteres h\u00e4tte mich in dieser Dom\u00e4ne sehr interessiert!\n<\/p>\n<p>\nGabis Keynot war gegen\u00fcber den Vorreden wissenschaftlich anspruchsvoll. Ihre Frage, \u201eWie <em>praktisch <\/em>ist die Universit\u00e4t?\u201c ist zun\u00e4chst eine hochschulpolitische Provokation! Darf man heute noch nach dem Zweck der Universit\u00e4t fragen? Wir sind doch auf einem guten Weg, oder? Mit den beiden Pr\u00e4missen \u201eBerufsausbildung\u201c und \u201eBerufsvorbildung\u201c kn\u00fcpft sie an eine alte Diskussion an, verbindet diese aber mit dem theoretischen Konzept des situierten Lernens (Hudchins, Wenger) so, dass das forschende Lernen zu einer neuen \u201ePraxis\u201c, eben das der Wissenschaft, wird. Gegen\u00fcber dem Ausgangskonzept erweitert sich das situierte Lernen an der\u00a0 Universit\u00e4t um ein Erkenntnisinteresse, eine kritisch-reflexive Haltung und individuelle\u00a0 Autonomie. \u201ePraxis\u201c an der Universit\u00e4t ist also nicht prim\u00e4r ein stimmungsvolles Aufgehen in der Situation, sondern (das ist die Modifikation) auch Distanznahme, Sachbezug \u2026 und Einsamkeit\u00a0 (obwohl sie das so nicht ausdr\u00fcckt).\n<\/p>\n<p>\nDas klingt altmodisch und Gabi wird in der Tat nicht m\u00fcde, die alten Tugenden gegen ein sog. Lernen 2.0 in Stellung zu bringen, indem der Einzelne sich seiner Verantwortung (vermeintlich) entzieht. Vielleicht ist das von ihr ein \u00fcbertriebener und ungerechtfertigter (Bildungs-)Reflex gegen\u00fcber aller Begeisterung der 2.0ler in Richtung Emergenz &amp; Schwarm. Wir wissen ja: man erkennt den Gebildeten daran, dass er seine Sache mit Leidenschaft verteidigt ;-). Nun greift Gabi am Ende des Referats aber doch auf\u00a0 Werkzeuge des Web 2.0 zur\u00fcck: Blogs, Wikis oder E-Portfolios sollen beim forschenden und situierten Lernen helfen, sie sollen einen dabei unterst\u00fctzen wissenschaftstypische Fragmentierungen (zeitlich, r\u00e4umlich, inhaltlich) in eine Art (mentale und materialisierte) Koh\u00e4renz zu \u00fcberf\u00fchren. Dreht sie sich am Ende im Kreis? Nein, man muss trennen zwischen der Ziel- und Zweckdimension und der Umsetzungs-Methodendimension. Im ersten Fall ist Zur\u00fcckhaltung gegen eine 2.0.Philosophie angeraten, im zweiten Fall darf man nicht nur 2.0-Werkzeuge nutzen, sondern soll damit experimentieren, will man das forschende Lernen unter eine situierte Perspektive mit digitalen Medien stellen. <\/p>\n<p>Wie immer (ich vermute es wird noch schlimmer) bieten Gabis Referate keine leichte Kost. Vor allem die \u201eL\u00f6sungsperspektiven\u201c werden gegen\u00fcber fr\u00fcheren Referaten ambivalenter. Warum? Weil sich hochschuldidaktische Probleme der Universit\u00e4t nicht (allein) didaktisch l\u00f6sen lassen und der R\u00fcckgriff auf politische Pr\u00e4missen (wie sie es tut) zu normativen Fragen f\u00fchrt, um die sich vorz\u00fcglich streiten l\u00e4sst (z.B. Zweck der Universit\u00e4t). Ich bin gespannt auf 2010. Wie politisch wird die E-Learning Szene werden? AUS\/ BILDUNG\/ HANDELN \u2013 so der Titel des Fernausbildungskongresses \u2013 bot dazu schon mal ein gutes Wortspiel.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Mittwoch und Donnerstag war ich in Hamburg auf dem Fernausbildungskongress der Bundeswehr. Von meinem ersten Besuch 2004 wusste ich, dass dort sowohl Milit\u00e4rs als auch zivile Besucher zum Thema E-Learning zusammenkommen. 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