{"id":8908,"date":"2010-01-26T00:00:00","date_gmt":"2010-01-25T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8908"},"modified":"2018-08-31T20:04:47","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:47","slug":"gegengutachten-sind-wissenschaftliche-trainingslager","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8908","title":{"rendered":"Gegengutachten sind wissenschaftliche &#8222;Trainingslager&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27222%27%20height%3D%27120%27%20viewBox%3D%270%200%20222%20120%27%3E%3Crect%20width%3D%27222%27%20height%3D%27120%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/bild3.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" vspace=\"5\" width=\"222\" height=\"120\" align=\"left\" \/>Anfang 2008 hatte ich mir vorgenommen, einen wissenschaftlichen Artikel zu unserem <a href=\"http:\/\/www.imb-uni-augsburg.de\/medienpaedagogik\/imbprojekt\/sporttrainerausbildung\">Tischtennisprojekt<\/a> zu schreiben. Inhaltlich wollte ich das didaktische Grundkonzept, die eingesetzten Technologien und eine Befragungsstudie vorstellen. Die Zeitschrift der Wahl im Bereich des Sports ist die <a href=\"http:\/\/www.springer.com\/medicine\/journal\/12662\">SPORTWISSENSCHAFT<\/a>, das Zentralorgan der deutschsprachigen Sportwissenschaft. Leider wurde der Artikel \u201eBlended Learning in der Trainerausbildung\u201c von den Gutachtern abgelehnt. Ich war nach sorgf\u00e4ltigem Studium der drei Gutachten dar\u00fcber so erbost, dass ich mich hinsetzte und ein ca. 10-seitiges Gegengutachten zusammenstellte, in dem ich jedes der in den Gutachten genannten Argumente systematisch aufgriff und so gut es ging entkr\u00e4ftete (Zielsetzung, Aufbau, Methode, Literatur, wissenschaftstheoretischer Standpunkt, etc.). Das hatte damals kathartischen Charakter und damit einen sp\u00fcrbaren Nutzen! Im Windschatten dieses Zehnseiters lauerte aber ein Potenzial, das ich zun\u00e4chst nicht bemerkte: Gegengutachten sind wissenschaftliche TRAININGSLAGER!<\/p>\n<p>Gott sei Dank hat mich im Nachgang dieser ersten Euphorie ein Hambuger Professor davor bewahrt, meine zehnseitige Kampfschrift online zu stellen \u2013 trotz aller Potenziale, die eine solche \u00d6ffnung versprach. Der zentrale Satz von ihm: \u201eWenn du dich auf die Spielregeln einl\u00e4sst, dann darfst du am Ende nicht aussteigen\u201c. Praktisch riet er mir (mit genauem Fingerzeig auf die wunden<br \/>Punkte), den Artikel zur \u00fcberarbeiten und bei einer anderen Zeitschrift einzureichen.<\/p>\n<p>Da ich immer schon mal eine Artikel in englischer Sprache ver\u00f6ffentlichen wollte, wandte ich mich an die Zeitschrift \u201e<a href=\"http:\/\/www.tandf.co.uk\/journals\/titles\/17408989.asp\">Physical Education and Sport Paedagogy<\/a>\u201c, zumal das Ziel der Zeitschrift zu meinem Ziel zu passen schien (\u2026 promotes the communication of educational research in physical education and youth sport and related fields such as teacher and coach education). Der gek\u00fcrzte und in Englisch verfasste Artikel (many thanks to <a href=\"http:\/\/www.iwm-kmrc.de\/www\/de\/mitarbeiter\/ma.html?dispname=Nina+Heinze&amp;uid=nheinze\">Nina<\/a>) kam aber nicht mal \u00fcber die erste H\u00fcrde. Obwohl neue methodische Ans\u00e4tze eines Online-Coachings, einer mediengest\u00fctzten Lehre im Bereich der Trainerausbildung im Zentrum standen, wies man mich knapp mit der Begr\u00fcndung ab, dass der Inhalt nicht mit den Zielsetzungen der Zeitschrift vereinbar sei. Ich hatte den Eindruck, dass das Thema \u201eE-learning\u201c nicht willkommen war. <\/p>\n<p>Also suchte ich weiter und blieb beim \u201e<a href=\"http:\/\/www.multi-science.co.uk\/sports-science&amp;coaching.htm\">International Journal of Sports Science and Coaching<\/a>\u201c h\u00e4ngen. Ich schrieb den Herausgeber Simon Jenkins direkt an, der Artikel wurde von zwei Gutachtern aus UK und Australien positiv eingestuft. Mit kleineren \u00dcberarbeitungen ist der Artikel &quot;<em>Cognitive Tools 2.0 in Trainer Education<\/em>&quot; im <a href=\"http:\/\/www.ingentaconnect.com\/content\/mscp\/ijssc\/2009\/00000004\/00000004\/art00009\">4. Quartal 2009 im IJSSC <\/a>ver\u00f6ffentlicht worden, also gut 2 Jahre nach der ersten Fassung. <\/p>\n<p><img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" style=\"width: 655px; height: 48px\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27655%27%20height%3D%2748%27%20viewBox%3D%270%200%20655%2048%27%3E%3Crect%20width%3D%27655%27%20height%3D%2748%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/bild%202.jpg\" alt=\"undefined\" title=\"undefined\" width=\"655\" height=\"48\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wisst ihr, was bei dieser \u201eOchsentour\u201c am wichtigsten war? Mein zehnseitiges Gegengutachten! Warum? Weil ich da (zumindest simuliert) mit Wissenschaftlern in einen Diskurs getreten bin, ich war gefordert \u201emeine Sache\u201c zu verteidigen, gute Gr\u00fcnde zu finden, warum ich mit den Gutachten nicht einverstanden war. Das war eine Art schriftliche Mini-Disputation und f\u00fcr mich \u201egro\u00dfes Tennis im Hinterhof\u201c. Es geht nicht darum, ob meine Gegenargumente TATS\u00c4CHLICH entkr\u00e4ftend waren, sondern darum, dass hier das Spiel der Wissenschaft \u201eThese-Begr\u00fcndung-Gegenthese-Begr\u00fcndung etc.\u201c gespielt wurde. Wo darf man das denn heute noch spielen? Auf Tagungen im 15-min Takt? In Zeitschriften, wo ein Gutachten das akademische \u201eBasta\u201c ist?<\/p>\n<p>&quot;Gegengutachten sind wissenschaftliche Trainingslager\u201c \u2013 so die \u00dcberschrift. Warum also nicht dieses Brachland zum wissenschaftlichen Lernen nutzen? <a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/\">Gabi<\/a> hatte vor Kurzem in ihrem Blogbeitrag \u201e<a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/?p=1664\">Minderheitenmeinung<\/a>\u201c auf ein solches Trainingslager aufmerksam gemacht: \u201e\u00d6ffentliche Diskussion nach anonymem Peer-Review\u201c, so der Titel des <a href=\"http:\/\/paedagogisches-journal.de\/download.php?list.16\">Forums<\/a> von Herrn <a href=\"http:\/\/www.agprim.uni-siegen.de\/bruegelmann.htm\">Prof. Br\u00fcgelmann<\/a> und dem<a href=\"http:\/\/paedagogisches-journal.de\/news.php\"> P\u00e4dagogischen Journal<\/a>. <\/p>\n<p>Ist ein \u201eForum\u201c die Antwort? Nein nat\u00fcrlich nicht! Das Problem ist komplex und man muss sich fragen, wie viel \u00d6ffnung bei Zeitschriften sinnvoll und machbar ist. Dass aber die sorgf\u00e4ltig verfassten Gutachten von Experten derzeit prim\u00e4r zum \u201estillen Lesen\u201c genutzt werden, ist \u2013 gelinde gesagt \u2013 supotimal: f\u00fcr den Autor als lernende Person, f\u00fcr die Zeitschrift als lernende Organisation und auch f\u00fcr die Wissenschaft als fortschreitende Idee. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang 2008 hatte ich mir vorgenommen, einen wissenschaftlichen Artikel zu unserem Tischtennisprojekt zu schreiben. Inhaltlich wollte ich das didaktische Grundkonzept, die eingesetzten Technologien und eine Befragungsstudie vorstellen. Die Zeitschrift der Wahl im Bereich des Sports ist die SPORTWISSENSCHAFT, das Zentralorgan der deutschsprachigen Sportwissenschaft. 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