{"id":8915,"date":"2010-03-28T00:00:00","date_gmt":"2010-03-27T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8915"},"modified":"2018-08-31T20:04:49","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:49","slug":"emergenz-ist-wenn-mehr-raus-kommt-als-man-reingesteckt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8915","title":{"rendered":"Emergenz ist, wenn mehr raus kommt als man reingesteckt hat"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27332%27%20height%3D%2744%27%20viewBox%3D%270%200%20332%2044%27%3E%3Crect%20width%3D%27332%27%20height%3D%2744%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/wien1.jpg\" alt=\"\" width=\"332\" height=\"44\" align=\"left\" \/>Ich bin der Einladung von <a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/Members\/baumgartner\/news\/emergenz-thema-der-3.-forschungswerkstatt\">Peter Baumgartner<\/a> zur Forschungswerkstatt \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Emergenz\">Emergenz<\/a>\u201c nach Wien gefolgt. Von Wolfratshausen zum Westbahnhof sind das gut 10 Stunden Hin und R\u00fcckfahrt mit der Bahn \u2013 es hat sich gelohnt!<\/p>\n<p>Ich habe in der Vorstellungsrunde gesagt, dass ich von Emergenz so wenig Ahnung habe, wie von Plasmaphysik, also keine. Das stimmt nur halb: Ahnung habe ich tats\u00e4chlich keine, aber interessieren tut es mich und aus jedem Interesse entwickelt sich mit der Zeit eine Art von Halbwissen, das man mehr oder weniger geschickt in seinen Alltag einbringt. Die Forschungswerkstatt hat in dieses Halbdunkel wenn nicht die Erleuchtung, aber doch deutlich mehr Licht gebracht. Wesentlich dazu beigetragen hat der special guest, Herr <a href=\"http:\/\/www.uni-graz.at\/johann.goetschl\/site.php?show=1\">Prof. G\u00f6tschl<\/a> von der TU Graz. Wei\u00dfes Haar, tiefe, sonorere Stimme, leichtf\u00fc\u00dfiges Bewegen \u00fcber die F\u00e4chergrenzen hinweg, ihm h\u00f6rt man gerne zu \u2026 und das muss man auch! W\u00e4hrend der Forschungswerkstatt hat er sicherlich \u00fcber 100 Beispielen erz\u00e4hlt, um Abstraktes am Konkreten zu erl\u00e4utern. Dieses \u201ePendeln\u201c zwischen Konkreten und Abstrakten hilft bekanntlich sehr, Sachverhalte zu verstehen und das Gehirn bei Laune zu halten. <\/p>\n<p>Was ich inhaltlich gelernt habe, l\u00e4sst sich schwer in S\u00e4tze fassen. Es geht um eine Verschiebung im Denken: wenn sich statische Betrachtungen (und Urteile!) zugunsten eines Prozessdenkens verschieben, wenn Ursache-Wirkungs-Ketten zirkul\u00e4ren Betrachtungen weichen, wenn die Suche nach Stabilit\u00e4t durch die Suche nach \u201esensitiven Bedingungen\u201c abgel\u00f6st wird. Was da raus kommt ist idealerweise ein Gesp\u00fcr f\u00fcr Ver\u00e4nderungen, Spontanes, Unvorhersehbares. Das ist nur f\u00fcr Menschen attraktiv, die das Neue freudig begr\u00fc\u00dfen. Neu ist das, was es so vorher nicht gab. Im Bereich der Bildung nennen wir das \u201eNeugier auf sich selbst\u201c im Bereich der Gesellschaft nenne wir das Innovation. Beides brauchen wir.<\/p>\n<p>Mich hat das Menschenbild hinter der Emergenztheorie angesprochen. Primat des pers\u00f6nlichen Wachstum, eingebunden in eine soziale Gemeinschaft \u2013 das klingt gut. W\u00e4hrend der Forschungswerkstatt wurde ich jedoch einen Zweifel nicht los: Was nutzt es, wenn wir uns (wieder mit einem neuen, vielversprechenden Ansatz) aufmachen, um die Bildungspraxis zu ver\u00e4ndern. Auch emergenztheoretisch &quot;fundierte&quot; Pilotprojekte in Schule, Hochschule und Weiterbildung werden erlahmen (These). Warum? Weil Organisationen Emergenz (wenn sie nicht m\u00fcssen) meiden, Emergenz ist destabilisierend und das kostet (zun\u00e4chst). Herr Prof. G\u00f6tschl wollte diesen Satz beim Abendessen nicht so stehen lassen, &#8230; gut. Aber warum gibt es dann so wenig wirklich Neues in Bildungsorganisationen? (Man betrachte die letzten 100 Jahre) Hier ein Laptop, da eine interaktive Tafel oder eine Reform. Wenn die Wissenschaftler weg sind, dann wird in der Regel wieder Unterricht wie eh und je gemacht. Herr G\u00f6tschl w\u00fcrde sagen, das System stabilsiert sich auf einem niederkomplexen Niveau. Ich habe bei dieser Kritik nicht die Lehrer im Visier, sondern (ganz emergenztheoretisch) das System, die Struktur. <\/p>\n<p>Nun will ich nicht pessimistisch enden, daf\u00fcr gibt es keinen Grund, zumal die Emergenztheorie Hilfestellung bietet: Erstens gibt es zur Emergenz gar keine Alternative, wer (als Person oder Organisation) nicht kreativ evolutioniert, der stirbt, zweitens f\u00fchrt Emergenz zu mehr M\u00f6glichkeiten, z.B. in Form von Kompetenzen, das schafft Sicherheit und (Selbst)Vertrauen und drittens f\u00fchlt sich Emergenz einfach gut an, weil wir mit uns in \u00dcbereinstimmung sind. Aus dem Abschlusgespr\u00e4ch habe ich im Ohr, was Prof. G\u00f6tschl auch angesichts verkrusteter Bildungspraxis gesagt hat: <em>Einfach Machen!<\/em> Die Wahrscheinlichkeit der (systemischen) Ver\u00e4nderung steigt mit einem guten und gelungenen Beispiel enorm an! Denn Nachfolger gibt es nur, wenn einer den ersten Schritt macht. \u2026 Ja, da er wohl Recht und dem folgt man auch ohne emergenztheoretische Schulung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin der Einladung von Peter Baumgartner zur Forschungswerkstatt \u201eEmergenz\u201c nach Wien gefolgt. Von Wolfratshausen zum Westbahnhof sind das gut 10 Stunden Hin und R\u00fcckfahrt mit der Bahn \u2013 es hat sich gelohnt! Ich habe in der Vorstellungsrunde gesagt, dass ich von Emergenz so wenig Ahnung habe, wie von Plasmaphysik, also keine. 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