{"id":8930,"date":"2010-09-18T00:00:00","date_gmt":"2010-09-17T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8930"},"modified":"2018-08-31T20:04:50","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:50","slug":"die-invasion-der-beruflichen-bildung-gmw-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8930","title":{"rendered":"Die Invasion der beruflichen Bildung &#8211; GMW 2010"},"content":{"rendered":"<p>\n<img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27300%27%20height%3D%27186%27%20viewBox%3D%270%200%20300%20186%27%3E%3Crect%20width%3D%27300%27%20height%3D%27186%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/z\u00fcrich1.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" width=\"300\" height=\"186\" align=\"left\" \/>Mit dramatischen Worten leitete <a href=\"https:\/\/cast.switch.ch\/vod\/channels\/1fya0cu7w0\">Rolf Schulmeister <\/a>seine key-note auf der diesj\u00e4hrigen <a href=\"http:\/\/www.gmw10.ch\/tagung.html\">GMW Tagung<\/a> ein: \u201eEs ist nicht f\u00fcnf Minuten vor Zw\u00f6lf, sondern 24 Stunden danach\u201c. An sich h\u00e4tte er seinen Vortrag hier abbrechen k\u00f6nnen, denn wenn der Zug einmal abgefahren ist, dann hilft nichts mehr, oder? Aber es gibt wohl noch Hoffnung.\n<\/p>\n<p>\nSchulmeister ging in seinem Vortrag weit zur\u00fcck in die deutsche Geschichte der Bildungsinstitutionen, ins sp\u00e4te Mittelalter, als die ersten Universit\u00e4ten gegr\u00fcndet wurden. Auf dieser Grundlage skizzierte er die Gr\u00fcndungen von Technischen- oder Polytechnischen Hochschulen im 18. und 19 Jh., die meist aus einfachen Bau- oder Ingenieursschulen hervorgegangen waren. Addiert man die Neugr\u00fcndungen im Bereich der Fach- und Privathochschulen gerade im 20. Jahrhundert hinzu, dann zeigt sich aus seiner Sicht eine Art \u201eInvasion\u201c der beruflichen Bildung und zwar im Innenhof des akademischen Himmels. Was davon zuhalten ist, wird in Schulmeisters knappen Fazit deutlich: \u201eAnti- Universit\u00e4ten\u201c, \u201eCoffee-Management\u201c, \u201eamerikanische Verh\u00e4ltnisse\u201c \u2026 mit diesen Stichworten bewertet er die aktuellen Bildungsbl\u00fcten. Man mag \u00fcber Schulmeisters \u201eAusz\u00e4hlwut\u201c an manchen Stellen schmunzeln (einige seufzen), aber der Analyseteil ist doch beeindruckend, gerade weil er einen Zeitraum von 800 Jahren umfasst und damit die Augen f\u00fcr \u201everborgene Entwicklungen\u201c oder \u201eWellen\u201c wie er selbst sagt, \u00f6ffnet. Nun kann man \u00fcber den Analyseteil erst mal in Ruhe nachdenken. Dabei sollte man sich aber fragen, ob die berufliche Bildung IMMER zu Formen der Verflachung f\u00fchrt oder ob darin nicht AUCH eine Chance liegt, \u00fcber einen zeitgem\u00e4\u00dfen Bildungsbegriff nachzudenken, der das \u201eerfahrungsgeleitete Handeln\u201c \u2013 also berufliche und <a href=\"http:\/\/www.transcript-verlag.de\/ts1309\/ts1309.php\">k\u00f6rperliche<\/a> Perspektiven \u2013 produktiv integriert (<a href=\"http:\/\/www.philso.uni-augsburg.de\/lehrstuehle\/soziologie\/sozio4\/team\/boehle\/\">B\u00f6hle<\/a>, Fritz: Kann die h\u00f6here Bildung von der beruflichen Bildung lernen? BWP, 2\/2010).\n<\/p>\n<p>\nNeben diesen key-note gab es eine Reihe weiterer interessanter Eindr\u00fccke und Impulse f\u00fcr mich, die nat\u00fcrlich immer selektiv sind, z.B. <a href=\"http:\/\/www.peter.baumgartner.name\/Members\/baumgartner\/news\/aus-didaktischen-erfahrungen-lernen\">Peter Baumgartners<\/a> Versuch, eine didaktische Taxonomie herzuleiten. Der Ordnungsvorschlag ist in der aktuellen Form noch abstrakt und ich sehe noch nicht das heuristische Potenzial, das Peter dem Zuh\u00f6rer verspricht (= Periodensystem aus der Chemie). Peter untermauert seine auf Flechsig aufbauende Arbeit mit Arbeiten zur Ontologie (Hartmann, Polanyi) und flankiert diese mit Theorien zur Emergenztheorie. Ich tue mir noch schwer mit diesen Gesch\u00fctzen und ich bin mir unsicher, ob der Anspruch dieser Taxonomie an hochtheoretischer Fundierung einerseits und praktischem (heuristischem) Nutzen f\u00fcr das Design mediengest\u00fctzten Lernens andererseits unter EINEN Hut zu kriegen ist. Die Frage ist: Muss man sich hier zwischen einer <a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/elearning-szenarien.pdf\">handlungspraktischen Designlogik<\/a> (Reinmann) und einer systematischen Ordnung (Baumgartner) entscheiden? Anders herum war Peters Beitrag einer der wenigen (die ich ausmachen konnte), der sich explizit einer Theoriearbeit zugewandt hat, was ich f\u00fcr eine wissenschaftliche Tagung ganz passend finde ;-).\n<\/p>\n<p>\nNeben den skizzierten Vortr\u00e4gen hat mich auch das Format \u201eLearning Cafe\u201c und hier insbesondere der Thementisch von <a href=\"http:\/\/www.gmw10.ch\/programm\/hauptkonferenz\/sessions\/session-f-kommunikation-und-austausch-mit-digitalen-medien\/interaktive-veranstaltungsformate-und-das-dialog-prinzip-offene-ansaetze-des-austauschs-mit-und-ueber-digitale-medien.html\">Tom Sporer<\/a> interessiert. Tom und Mitstreiter hatten einen Artikel geschrieben, in dem das Konzept des Dialogs (in Abgrenzung zum Diskurs) skizziert ist. Am Thementisch wurde dar\u00fcber diskutiert, wie ein ideales Tagungsprogramm mit virtueller Phase und Pr\u00e4senzblock aussieht. Ich habe die Unterhaltung zum Dialog aber sp\u00e4ter mit Tom f\u00fchren k\u00f6nnen, wobei wir das Potenzial von Metaphern als Container (Isaack W.) in den Blick genommen haben, was Spa\u00df gemacht hat.\n<\/p>\n<p>\nSchlie\u00dflich konnten Jojo und ich noch <a href=\"http:\/\/www.schwyz.phz.ch\/wir-ueber-uns\/dozierende\/dominik-petko\/\">Dominik Petko<\/a> sprechen, der ein <a href=\"http:\/\/www.gmw10.ch\/programm\/rahmenprogramm\/ausstellung\/unterrichtsvideosch-eine-digitale-bibliothek-fuer-videobasierte-lehrerinnen-und-lehrerbildung.html\">Poster<\/a> im Lichthof betreute. Der Austausch mit Dominik war aus zweifachen Grund wichtig: Erstens haben wir uns \u00fcber die Videoannotierung bzw. <a href=\"http:\/\/lernen-unibw.de\/sites\/default\/files\/Forschungsnotiz_2010_03.pdf\">visuelle Verlaufsmuster<\/a> unterhalten und wie man diese didaktische Neuerung am besten in einem wissenschaftlichen Artikel beschreibt ;-), und zweitens konnten wir ihm unser edubreak Projekt auch mal live zeigen. Hier gibt es viele Bez\u00fcge zu den Video-Arbeiten von Dominik und vielleicht ergeben sich neue Kooperationschancen mit den Schweizern.\n<\/p>\n<p>\nIn der Summe haben mir die zwei Tage in Z\u00fcrich sehr gut gefallen, wegen des sch\u00f6nen Ortes, der zum gemeinsamen Nachdenken einl\u00e4dt, der interessanten Menschen und Projekte, die man angetroffen hat und auch deshalb, weil eine Abwechslung zur \u201egemeinen Arbeit\u201c einfach gut tut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dramatischen Worten leitete Rolf Schulmeister seine key-note auf der diesj\u00e4hrigen GMW Tagung ein: \u201eEs ist nicht f\u00fcnf Minuten vor Zw\u00f6lf, sondern 24 Stunden danach\u201c. An sich h\u00e4tte er seinen Vortrag hier abbrechen k\u00f6nnen, denn wenn der Zug einmal abgefahren ist, dann hilft nichts mehr, oder? Aber es gibt wohl noch Hoffnung. 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