{"id":8963,"date":"2012-01-03T00:00:00","date_gmt":"2012-01-02T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8963"},"modified":"2018-08-31T20:04:07","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:07","slug":"wild-duck-oder-besser-exzellenz-fuer-alle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8963","title":{"rendered":"Wild Duck oder besser: Exzellenz f\u00fcr alle!"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27281%27%20height%3D%27211%27%20viewBox%3D%270%200%20281%20211%27%3E%3Crect%20width%3D%27281%27%20height%3D%27211%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/dueck1.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" width=\"281\" height=\"211\" align=\"left\" \/>Kurz vor Weihnachten bin ich im Internet \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.omnisophie.com\/\">Gunter Dueck<\/a> \u201egestolpert&quot;, soll hei\u00dfen: ich kannte den guten Mann vorher nicht und beim Surfen bin ich dann beim <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=MS9554ZoGu8&amp;feature=player_embedded\">re-publica Vortrag<\/a> gelandet. Anf\u00e4nglich fand ich den slapstickreifen Vortragsstil am\u00fcsant, viele \u201e\u00e4hhhs&quot;, \u201eich will doch nur sagen&quot; oder \u201everstehen Sie mich richtig&quot;. Aber das ist nur die Oberfl\u00e4che! Inhaltlich bietet Dueck provozierende Kernthesen: (a) Die Dienstleistungsgesellschaft wird sterben und (b) ohne wirkliche Professionalit\u00e4t k\u00f6nnen wir einpacken. Nach dem Videovortrag habe ich mir zwei B\u00fccher von ihm bestellt und zwischen den Jahren gelesen: In \u201e<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/AUFBRECHEN-Warum-Exzellenzgesellschaft-werden-m%C3%BCssen\/dp\/3821865148\/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;qid=1325602293&amp;sr=8-1\">Aufbruch<\/a>&quot; und \u201e<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wild-Duck-Empirische-Philosophie-Mensch-Computer-Vernetzung\/dp\/3540482482\/ref=pd_rhf_ee_shvl2\">Empirische Philosophie<\/a>&quot; wird u.a. erl\u00e4utert, wie sich Duecks das mit dem Niedergang der Dienstleistungsgesellschaft genau vorstellt. Zentral ist die Beobachtung, dass fast alle Arbeitst\u00e4tigkeiten, ausgehend von der Landwirtschaft \u00fcber die Industrie bis eben auch Dienstleistungen, vermessen werden k\u00f6nnen. Der Computer (das Intenet) schafft dann das, was in der Landwirtschaft einst der Traktor geschafft hat: Standardisierung und (finanzielle) Optimierung nehmen ihren Lauf. Am Ende dieser Entwicklung finden sich &#8211; so Duecks &#8211; zwei Klassen von Menschen wieder: Billigarbeitskr\u00e4fte, die f\u00fcr 8,- Euro Lohn die Stunde (bestenfalls) einfache T\u00e4tigkeiten verrichten, und die Premiumklasse, die sich mit nicht-standardisierbaren Problemen f\u00fcr hohe Honorare verdingen. Man folgt Duecks an dieser Stelle nur unwillig, einerseits weil man in die aufbl\u00fchende Dienstleistungsgesellschaft gro\u00dfe Hoffnung steckt, andererseits, weil man das Endszenario vom Dump &amp; Premium moralisch nicht akzeptieren kann. Aber seine Argumentation erscheint mir zwingend und durch viele Beispiele geerdet.<\/p>\n<p>\nEinen \u201eAusweg&quot; aus dieser schwierigen Situation (Existenz!) sieht er in einer radikalen Steigerung der Bildungsaktivit\u00e4ten. Schulen seien aber &#8211; was ein Wunder &#8211; auf diese Herausforderungen nicht vorbereitet, dort w\u00fcrde man sich noch um den eindimensionalen Menschen bem\u00fchen, d.h. dort geht es prim\u00e4r um die Bef\u00fcllung der mentalen Festplatte mit Fakten. Genau diese Faktenkompetenz sei aber nicht das, was in einer Gesellschaft der Professionellen (Wissensgesellschaft) gebraucht w\u00fcrde! Unter Professionalit\u00e4t versteht er das Zusammenspiel sehr unterschiedlicher Kompetenzen, wobei er nicht das Begriffsger\u00fcst der wissenschaftlichen Diskussion aufnimmt, sondern unterschiedliche Ans\u00e4tze wie Kreativit\u00e4t, Teamkompetenz, Willensbildung, Begeistung, Empathie, emotionale Kompetenz etc. \u201emischt&quot;, so wie es eben in der (Wirtschafts)Praxis gebraucht werde und wie es praktisch handhabbar sei. Obwohl ihm die Unterschiede der Menschen, deren Charakter und mentalen Vorlieben, sehr bewusst sind (in seinem Buch Empirische Philosophie unterscheidet er 16 Typen mit Untergruppen) pendelt sich das Bildungssoll doch irgendwo bei einem \u201eentrepreneur&quot; ein, der Probleme kreativ l\u00f6sen, Teams empathisch leiten und Produkte\/ Dienste mit guter \u201ePerfomance&quot;verkaufen kann. Vor dem Hintergrund dieser anspruchsvollen Zielfunktion misstraut er allen klassischen Bildungsinstitutionen. Vielmehr sieht er neue Bildungsm\u00f6glichkeiten \u201eim Netz&quot;, die viel mit Video zu tun haben, dem neuen Leitmedium der jungen Menschen.\n<\/p>\n<p>\nWas soll man nun davon halten, vom ehemaligen Chief of Technology (bei IBM) und Matheprof., von seinen Thesen zur Dienstleistungsgesellschaft, den Forderungen nach einer radikal anderen Bildung, dem \u201eAufbruch&quot;? Die Analyse zur Dienstleistungsgesellschaft ist echt lesenswert, mir waren die Abh\u00e4ngigkeiten, (Optimierungs-)Mechanismen und Folgen vorher nicht so klar. Der Aufruf zu einer anderen Bildung (multiple Kompetenzen) ist von der Sto\u00dfrichtung nicht neu, neu ist die skizzierte Bedrohungslage und die geforderte Radikalit\u00e4t nach dem Motto: Wenn wir das nicht schaffen, gibt es sehr viele Verlierer. So bleibt Duecks Ansatz f\u00fcr mich unterm Strich &quot;d\u00fcster&quot; (hmm, passt auch nicht so recht): einerseits weil er die Entwicklung in dunklen Farben zeichnen (ok, das ist die n\u00fcchterne Analyse), andererseits weil seine Vision von der neuen Bildung, der \u201eExzellenz f\u00fcr alle!&quot;, neben den Forderungen nach multiplen Kompetenzen (s.o.) und Netzinfrastruktur in der UMSETZUNGSperspektive d\u00fcnn bleibt. Es fehlen Strategien f\u00fcr die JETZIGE Schule, die JETZIGE Universit\u00e4t oder aber Transformationsstrategien. Transformation? Machmal &#8211; so Duecks &#8211; ist es besser, wenn man ganze Teile eines Systems zerst\u00f6rt; dann, so sein mathematisches Kalk\u00fcl, wird sich das System effizienter neu \u201eeinpassen&quot;.\n<\/p>\n<p>\nHmmm, ich verlasse Duecks Analysen und Visionen mit gemischten Gef\u00fchlen. Seine B\u00fccher (es gibt noch mehr, eher philosophisch z.B. seine <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Duecks-Trilogie-2-0-Omnisophie-Supramanie\/dp\/3642026982\/ref=ntt_at_ep_dpt_10\">Trilogie<\/a>) waren mir \u00fcber Weihnachten und Neujahr ein st\u00e4ndiger Begleiter, auch ein paar Mails mit dem Autor selbst waren dabei. Aber trotz D\u00fcstergef\u00fchle: Ich nehme Vieles mit von diesem \u201eWild Duck&quot;, z.B. den Mut, das <strong>Nichtmessbare<\/strong> (vgl. unsere <a href=\"http:\/\/idw-online.de\/pages\/de\/news198469\">Vereinstagung<\/a>, 2007) ins Zentrum aller Bildungsbem\u00fchungen zu stellen. Ein guter Start in das Jahr 2012.\u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kurz vor Weihnachten bin ich im Internet \u00fcber Gunter Dueck \u201egestolpert&quot;, soll hei\u00dfen: ich kannte den guten Mann vorher nicht und beim Surfen bin ich dann beim re-publica Vortrag gelandet. 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