{"id":8970,"date":"2012-04-21T00:00:00","date_gmt":"2012-04-20T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8970"},"modified":"2018-08-31T20:04:51","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:51","slug":"boundary-work-was-ist-entwicklungsforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8970","title":{"rendered":"Boundary Work &#8230; Was ist Entwicklungsforschung?"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27278%27%20height%3D%2772%27%20viewBox%3D%270%200%20278%2072%27%3E%3Crect%20width%3D%27278%27%20height%3D%2772%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/uni_1.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" width=\"278\" height=\"72\" align=\"left\" \/>Gestern war ich seit langer Zeit mal wieder Teilnehmer in <a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/?p=3210\">Gabis Doktoranden-Kolloquium<\/a>. Thematisch ging es um die \u201eEntwicklungsorientierte Bildungsforschung&quot;, so wie Gabi Reinmann und Werner Sesink es in bewusster Erg\u00e4nzung zur empirischen Bildungsforschung nennen. Nach Besprechung von drei aktuellen Texten der Entwicklungsforschung (Einsiedler, Euler, Reinmann) kam mir die Aufgabe zu, die Entwicklungsarbeiten zu edubreak (<a href=\"http:\/\/www.ghostthinker.de\/produkte#edubreak\">Videoannotation<\/a> in unterschiedlichen Kontexten) in einem Impulsreferat vorzustellen. Ich hatte mich dazu entschieden, die <a href=\"http:\/\/lernen-unibw.de\/projekt\/digitale-medien-in-der-sporttrainerausbildung\">edubreak-Ereignisse<\/a> chronologisch zu ordnen und m\u00f6glichst nah am Ph\u00e4nomen darzustellen. In der Konsequenz habe ich daher ganz offen davon gesprochen, dass z.B. die Idee zur Einf\u00fchrung der Videoannotation im Sport zum ersten Mal bei einem Bier mit Kollegen Markus S\u00f6hngen vom TTVN formuliert wurde. Im Fortgang ging es um konzeptionelle Aufbauarbeit, um erste technische Prototypen, die wieder verworfen und durch neue ersetzt wurden, um erste Praxisanwendungen mit \u201eleichtgewichtigen&quot; Evaluationen (s.u.), um x-fache Redesigns von Didaktik und Technologie, um Erweiterungen organisationaler Elemente, um die Ausweitung in neue Kontexte mit neuen Anforderungen, theoretischen Vorschl\u00e4gen und entsprechenden technischen und didaktischen Anpassungen, um Ordnungsversuche dessen, welche Kategorien beim Einsatz von Video + Annotation relevant sind und wie die unterschiedlichen Entwicklungs- bzw. besser Evolutionspfade untereinander \u201ekommunizieren&quot; und einen reichen \u201eGenpol&quot; an didaktischem, technischem und organisationalem Know How (Erkenntnis?) zum Thema bilden. <\/p>\n<p>\nEs ist immer schwer abzusch\u00e4tzen, ob eine solche \u201erohe&quot; Entwicklungsgeschichte die Erwartungen der Zuh\u00f6rer trifft, &#8230; aber darum geht es ja auch gar nicht. Am Ende habe ich die Frage gestellt, ob DAS Entwicklungsforschung sei, ob die Teilnehmer also in dieser edubreak-Geschichte diejenigen Kriterien wiedererkennen, die ihnen in den theoretischen Texten zur Entwicklungsforschung gel\u00e4ufig sind. Grob gesprochen waren die R\u00fcckmeldungen zweigeteilt: Die eine Seite erkannte durchaus einige Kriterien wieder: Problemorientierung, Zusammenarbeit mit Praxispartnern, mehrere Iterationen, begleitende \u201eForschung&quot; (da komme ich noch drauf), Pr\u00e4sentation in der Fach-Community, letztlich L\u00f6sung eines Bildungsproblems. Die andere Seite erkannte diese Kriterien unscharf in der unsystematischen (da ph\u00e4nomenorientierten) Darstellung, tat sich zudem mit dem Merkmal \u201eForschung&quot; schwer, womit wir beim Punkt sind :-).\n<\/p>\n<p>\nWas ist also die \u201eForschung&quot; innerhalb der Entwicklungsarbeit? Etwas Eigenes, Getrenntes? Also erst entwickeln und dann z.B. richtig (!) evaluieren? Explizierung aller Entscheidungen innerhalb der oft impliziten, rekursiven (chaotischen) Entwicklungsarbeit? Theoretische Fundierung und \u201esaubere&quot; Ableitung der Annahmen, Fragestellungen und Ziele? Hier springt der Frosch ins Wasser, w\u00fcrde Ulrich Fahrner sagen.\n<\/p>\n<p>\nMir selber geht und ging es gestern deswegen gar nicht um die Frage, wie man die Arbeiten um edubreak so darstellen kann, dass es in der Community als Entwicklungsforschung <em>akzeptiert <\/em>wird, also besser strukturieren, besser explizieren, ordentlicher evaluieren (Entschuldigung, da war meine Schlussfrage sicher irref\u00fchrend). Sondern: Es ging mir darum gemeinsam zu explorieren, ob in den skizzierten Prozessen TYPISCHE Momente\/Phasen zu identifizieren sind, die wir begr\u00fcndet als Entwicklungs-Forschung bezeichnen <em>wollen<\/em>! Dabei ist die Erarbeitung von Qualit\u00e4ts- oder G\u00fctekriterien f\u00fcr diesen Forschungstyp Neuland. Leicht erwischt man sich dabei, dass man analogisierend und hilfesuchend G\u00fctekriterien aus der qualitativen Sozialforschung in diesen Bereich verl\u00e4ngert, deshalb die Forderung nach \u201erichtiger&quot; Evaluation, Explizierung der Entscheidungen etc.\n<\/p>\n<p>\nMeine Grundthese (darin flie\u00dfen Argumente der gemeinsamen Sitzung ein, vgl. <a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/?p=3210\">Gabis Eintrag<\/a>) ist, das wir im Rahmen einer entwicklungsorientierten Bildungsforschung mehr oder weniger AUCH chaotische, implizite und damit wenig bis gar nicht explizierbare Entscheidungen als typischen Forschungsakt akzeptieren bzw. einfordern m\u00fcssen. Das st\u00f6\u00dft sich freilich mit dem Axiom einer letztlich mathematischen Wissenschaftsauffassung, die keine \u201edunklen Flecken&quot; akzeptiert. Wenn uns aber Bildungsinnovationen (Sonderfall der sozialen Innovation) wichtiger sind als methodische Ideologien (also Vereinseitigungen), dann gilt es doch, die Methode sowie die Standards (der Entwicklungsforschung) den notwendigen Ver\u00e4nderungsprozessen anzupassen und nicht umgekehrt sich in die Irre f\u00fchrenden methodischen Imperativen unterzujochen.\n<\/p>\n<p>\nJa, mal wieder gro\u00dfe Kaliber mit ansteckender Revolutionsrethorik. Wer sich hier anschlie\u00dft, sollte mindestens einen langen Atem mitbringen, denn weder sind gro\u00dfe Forschungsgelder, zeitnahe Akzeptanz in der wissenschaftlichen Community noch ein kalkulierbarer und \u201eglatter&quot; Forschungsalltag zu erwarten. Puhh, nix f\u00fcr Nachwuchswissenschaftler, &#8230; oder gerade doch?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern war ich seit langer Zeit mal wieder Teilnehmer in Gabis Doktoranden-Kolloquium. 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