{"id":8990,"date":"2013-01-31T00:00:00","date_gmt":"2013-01-30T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8990"},"modified":"2018-08-31T20:04:11","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:11","slug":"statt-einer-rezension-gedanken-zum-buch-das-neue-und-seine-feinde-gunter-dueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8990","title":{"rendered":"Statt einer Rezension \u2013  Gedanken zum Buch \u201eDas Neue und seine Feinde\u201c (Gunter Dueck)"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.google.de\/imgres?imgurl=http:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/0\/0f\/Sisyphus_by_von_Stuck.jpg\/220px-Sisyphus_by_von_Stuck.jpg&amp;imgrefurl=http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sisyphos&amp;h=259&amp;w=220&amp;sz=14&amp;tbnid=Nfk00IQ4eBv8CM:&amp;tbnh=94&amp;tbnw=80&amp;zoom=1&amp;usg=__YVTWRA9mtQX3i5q2Dh7gnUu3Svw=&amp;docid=3cC1baYJ4EAv5M&amp;sa=X&amp;ei=zaoKUaTNMsqE4gTHyoH4DA&amp;ved=0CEQQ9QEwAg&amp;dur=269\"><img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27159%27%20height%3D%27182%27%20viewBox%3D%270%200%20159%20182%27%3E%3Crect%20width%3D%27159%27%20height%3D%27182%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/sis.png\" alt=\"\" hspace=\"5\" width=\"159\" height=\"182\" align=\"left\" \/><\/a>Krankenlager haben den Vorteil, dass man in Ruhe B\u00fccher lesen kann. So geht es mir Ende Januar 2013, also ca. ein Jahr nachdem ich <a href=\"\/node\/271\">erstmals<\/a> im Netz auf <a href=\"http:\/\/www.omnisophie.com\/\">Gunter Dueck<\/a> gesto\u00dfen bin, dem ehemaligen Technologiechef von IBM, aktuell auch als Philosoph, Netzaktivist, in jedem Falle aber \u00fcberzeugter Weltverbesserer bekannt. In den H\u00e4nden halte ich sein <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-Neue-seine-Feinde-durchsetzen\/dp\/359339717X\">Buch<\/a> \u201eDas Neue und seine Feinde &#8211; Wie Ideen verhindert werden und sie sich trotzdem durchsetzen&quot;. Um es vorweg zu sagen: F\u00fcr mich ist das einer seiner besten B\u00fccher, weil es tiefe Erfahrung in die Realit\u00e4t der Innovation vermittelt, von einem, der tiefe Erfahrung mit eben dieser Realit\u00e4t gemacht hat!<\/p>\n<p>\nFangen wir hinten an (S. 282), sinngem\u00e4\u00df: Innovation ist wie eine Herkulesaufgabe und eine gelungene Innovation ist wie \u201aSisyphos schafft es doch\u2018. Herkules &amp; Sisyphos, der R\u00fcckgriff auf die Dramenfiguren der Antike, ist nicht unbegr\u00fcndet. Duecks macht damit die schier unmenschliche Aufgabe deutlich, die sich \u201eInnovatoren&quot; auf die Fahne schreiben (m\u00fcssen), eine Unm\u00f6glichkeit, in jedem Falle aber ein Kraftakt sondergleichen. Der unbedingte Wille, es immer und immer wieder zu versuchen, nicht das Gleiche, sondern die <em>dauerhafte Variation<\/em> einer hoffentlich guten Kernidee, ges\u00e4ttigt mit einem tiefen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Kontext der Innovation, erworben in 10.000 Stunden durch Zuh\u00f6ren, Verbessern und nochmals Zuh\u00f6ren. Das klingt alles sehr sportlich und Duecks macht vom Ende her klar, dass SEIN Innovationsbegriff rein gar nix mit gut kalkulierbarem Management, gar Betriebswirtschaftslehre \u201ein f\u00fcnf Schritten zur Innovation&quot; zu tun hat. Innovation ist Neuland, Hochgebirge, Dschungel, da dreht sich der Kompass.\u00a0\u00a0 \u00a0\n<\/p>\n<p>\nNach dieser Einstiegssalve \u201eunm\u00f6glich&quot;, nun aber doch ein paar Aha-Stellen:\n<\/p>\n<ul>\n<li>\n\tGef\u00fchlte 10-mal spricht Dueck die Warnung aus \u201ework underground as long as you can&quot;, soll hei\u00dfen: Man solle seine Erfindungen in einer Fr\u00fchphase nicht herumposaunen, denn dann werde das \u201eImmunsystem&quot; aktiviert. Die Analogie vom betrieblichen Immunsystem gibt einen wichtigen Hinweis darauf, dass das Neue als zun\u00e4chst Nichtanschlussf\u00e4higes und damit Fremdes von der Organisation abgesto\u00dfen (und vernichtet) wird, \u00e4hnlich den Bakterien im K\u00f6rper. Die Innovation im Unternehmen ist also entgegen aller Sonntagsreden (der Vorst\u00e4nde) in der Ideen-Phase nicht willkommen! Erst wenn die Erfindung intern akzeptiert und mit den zentralen Akteuren abgesprochen ist, k\u00f6nne man sich als Innovator in Managementsitzung outen, denn die Idee sei dann kein fremdes Bakterium mehr sondern organisationseigenes und damit willkommen. Merke! Management ist Entscheiden nicht Diskutieren.\n\t<\/li>\n<li>\n\tDueck fasst im aktuellen Buch seine \u201eMenschenlehre&quot; auf knappem Raum zusammen. Er bezieht dabei vor allem Gedanken von Riemann und Jung ein. Heraus kommt (hier frech vereinfacht) eine Einteilung in wahre (Tr\u00e4umer), nat\u00fcrliche (Macher) und richtige (Ordner) Menschen, die jeweils bestimmte Pr\u00e4ferenzen und \u201eLebensgrunds\u00e4tze&quot; haben. Normalerweise sammeln sich diese Typen in bestimmten Berufssparten &#8211; zumindest statistisch. Dueck zeigt nun, dass bei einem Innovator die besondere Herausforderung darin besteht, dass er mehrere Typen in sich vereinen muss, da er\/sie z.B. sowohl Erfinder als auch Verk\u00e4ufer oder Unternehmer sein m\u00fcsse. Es ist  offensichtlich, dass dieser Allesk\u00f6nner an (leidvolle) innere Grenzen st\u00f6\u00dft, die es aber zu \u00fcberwinden gelte. Merke! Innovatoren m\u00fcssen in der Lage sein, sich selber immer wieder zu erfinden oder die Grenzen des eigenen Naturells auszudehnen.\n\t<\/li>\n<li>\n\tDueck betont, dass es nicht mit ein paar Standardfolien zur Innovation oder dem Abarbeiten eines \u201eAlgorithmus&quot; getan ist. Man m\u00fcsse ein tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Realit\u00e4t aufbauen, sei es \u201ebeim Kunden&quot; oder auf \u201eKongressen&quot;, wo auch immer. Duecks macht am Beispiel des Bierlieferanten klar (Optimierungsprobleme sind seine Innovationen), dass es 100 Fallstricke in der Praxis gibt (z.B. zu enge Gassen, etc.). Merke! Ins Feld gehen, mit Praktikern reden, gar arbeiten oder entwickeln (co-creation), so dass man die \u201egemeine&quot; Praxis versteht!\n\t<\/li>\n<li>\n\tImmer wieder im Buch (implizit und explizit) macht Duecks die Bedeutung von belastbaren Personennetzwerken deutlich, das sind Mitspieler die helfen, Informationen zu beschaffen, Sachlagen einzusch\u00e4tzen, Pate zu stehen, Ressourcen beizusteuern. In diesem Zusammenhang f\u00e4llt der Begriff der Pre-Innovation, um deutlich zu machen, dass VOR aller Innovation diese Netzwerke aufzubauen sind, damit man sie zum Zeitpunkt X \u201epunktgenau&quot; abrufen kann. Merke! Oft wei\u00df man beim Aufbau von Partnern noch gar nicht, in welchen Zusammenh\u00e4ngen man sie in der Zukunft um Hilfe bittet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\nAuf dem Cover des Buches sieht man eine Gl\u00fchbirne. Eine abgenutzte Metapher f\u00fcr \u201eIdee&quot;, wie auch Duecks entschuldigend feststellt. Schaut man genauer hin, dann entdeckt man, dass die Bildpixel ebenfalls aus Gl\u00fchbirnen bestehen, das kennen wir vom Mandelbrotb\u00e4umchen, Stichwort \u201eSelbst\u00e4hnlichkeit&quot;, vielleicht ein Hinweis auf die 1000 Iterationen, die eine Idee durchlaufen muss, wenn sie am Ende sch\u00f6n sein will. Blinzelt man nun mit den Augen, so sieht man nicht nur eine gro\u00dfe Gl\u00fchbirne, sondern auch einen Totenkopf &#8211; Augen, Nase und Mund sind deutlich aus schwarzen Gl\u00fchbirnen gezeichnet: das Neue und seine Feinde, Ideengeburt und Ideentod, beides h\u00e4ngt wohl aufs Engste zusammen, ein Philosoph war am Werk. Deshalb ist das Buch auch kein Ratgeber im klassischen Sinne, sondern eher eine psychologische Anthropologie f\u00fcr Innovatoren.\n<\/p>\n<p>\nIch kann das Buch jedenfalls alljenen empfehlen, die sich freiwillig oder gezwungen in der Rolle des Innovators widerfinden und &#8230; zweifeln. Die Zweifler (auch Macher k\u00f6nnen zweifeln) bekommen am Ende etwas viel Wertvolleres als einen \u201etechnischen Rat&quot;, n\u00e4mlich eine Blickf\u00fchrung f\u00fcr den tieferen Sinn ihres Tuns.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krankenlager haben den Vorteil, dass man in Ruhe B\u00fccher lesen kann. So geht es mir Ende Januar 2013, also ca. ein Jahr nachdem ich erstmals im Netz auf Gunter Dueck gesto\u00dfen bin, dem ehemaligen Technologiechef von IBM, aktuell auch als Philosoph, Netzaktivist, in jedem Falle aber \u00fcberzeugter Weltverbesserer bekannt. 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