{"id":8991,"date":"2013-02-10T00:00:00","date_gmt":"2013-02-09T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8991"},"modified":"2018-08-31T20:04:26","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:26","slug":"schavans-doktorarbeit-unsportliches-oder-nichtsportliches-verhalten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=8991","title":{"rendered":"Schavans Doktorarbeit: unsportliches oder nichtsportliches Verhalten?"},"content":{"rendered":"<p><img class=\"lazyload\" decoding=\"async\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27147%27%20height%3D%27138%27%20viewBox%3D%270%200%20147%20138%27%3E%3Crect%20width%3D%27147%27%20height%3D%27138%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"\/wp-content\/uploads\/archive\/foul.png\" alt=\"\" hspace=\"5\" width=\"147\" height=\"138\" align=\"left\" \/>\u00dcber die Doktorarbeit von Frau Schavan ist schon Vieles gesagt worden. Im Dickicht der Ansichten und Einsichten kommt es mir manchmal so vor, als ob man nicht so recht wei\u00df, wo die Grenze zwischen Erlaubten und Unerlaubten liegt: sind es 5% oder 50% der Fehlzitate, ist es die hinter den Auslassungen vermutete Absicht oder nur eine Nachl\u00e4ssigkeit oder, oder? All das kommt mir reichlich willk\u00fcrlich vor denn mir fehlt ein theoretisches Unterscheidungskriterium, wann man von unwissenschaftlichem sowie au\u00dferwissenschaftlichem Verhalten sprechen kann. Dazu eine hoffentlich hilfreiche Analogie.<\/p>\n<p>\nStellen Sie sich vor, Sie w\u00e4ren ein Fu\u00dfballspieler (oder eine Fu\u00dfballspielerin). Nach ca. 20 Jahren w\u00fcrde man sie fragen, ob Sie im Endspiel der Fu\u00dfballweltmeisterschaft Spieler x gefoult haben. Selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrden Sie antworten: Wenn gegen mich keine rote oder gelbe Karte gezogen wurde, dann habe ich nicht gefoult, zumindest wurde ich vom Schiedsrichter nicht erwischt. Stellen Sie sich nun vor, Sie h\u00e4tten das damalige Spiel in der Verl\u00e4ngerung nur gewonnen, weil sie gedopt waren. Heute, 2013, nimmt man Ihre damalige Dopingprobe her und analysiert sie mit aktuellen Analysemethoden. Man entdeckt verbotene Substanzen, nimmt ihnen den Weltmeistertitel und Sponsoren belasten sie mit Regresszahlungen.\n<\/p>\n<p>\n<a href=\"http:\/\/www.richarz-online.de\/academia\/titel\/69187.htm\">Sven G\u00fcldenpfennig<\/a>, (vgl. auch meinen \u00e4lteren <a href=\"\/node\/254\">Blogbeitrag<\/a>) der sich Zeit seines Lebens mit der Idee des Sports, mit seinem &quot;Eigensinn&quot;, besch\u00e4ftigt hat, f\u00fchrt zur Unterscheidung dieser F\u00e4lle die Begriffe unsportliches und au\u00dfersportliches Verhalten ein. Unsportlich ist ein Spieler dann, wenn er gegen die Spielregeln verst\u00f6\u00dft, diese aber anerkennt! Ein solches Verhalten wird vom Schiedsrichter geahndet, so dass die Balance im Spiel erhalten bleibt. Wenn nun jemand dopt ist klar, dass er die konstituierenden Regeln des Sports nicht anerkennt, somit f\u00fchrt sein Verhalten auch nicht zu einer Verletzung der  Spielregeln, da der Spieler sich mit seinem Verhalten in einem au\u00dfersportlichen Bereich befindet. Er treibt folglich gar keinen Sport (Bruch mit der Idee), auch wenn er mitten unter den Sportlern auf dem Spielfeld agiert. Oder nochmal anders gewendet: Lance Armstrong hat nie Rad-SPORT betrieben.\n<\/p>\n<p>\n\u00dcbertr\u00e4gt man nun dieses Konzept der Sportidee auf die Ebene der Wissenschaft, dann m\u00fcssten bei schlampigen Zitierungen zuallererst die Gutachter gefragt werden. Wenn die Arbeit abgeschlossen und der Doktortitel vergeben ist, m\u00fcssten man bei Schummelleistungen die Gutachter belangen, weil sie ihrer Aufgabe als FACHgutachter nicht gerecht geworden sind. In jedem Fall bleibt ein solches Verhalten aber \u201enur&quot; unwissenschaftlich, wenn trotz Zitierfehler (analog Fouls) festgestellt werden kann, dass die Arbeit vom Autor eigenh\u00e4ndig verfasst wurde &#8211; der Doktortitel bliebe erhalten. Stellt man hingegen fest, dass die Doktorarbeit unter Fremdleistung erstellt wurde (z.B. Schn\u00e4ppchen aus Bulgarien) tritt der wissenschaftliche Dopingfall ein: Der Autor befindet sich in einem au\u00dferwissenschaftlichen Bereich, der Doktortitel wird aberkannt, Regresszahlungen wegen T\u00e4uschung w\u00e4ren f\u00e4llig.\n<\/p>\n<p>\nNun wird man einwenden, dass es doch gerade um eine Binnendifferenzierung des unwissenschaftlichen Verhaltens gehe, eben die Frage, wie viel denn geschummelt werden darf: 5% oder 50%, Absicht oder Nachl\u00e4ssigkeit. Hier wird man sich immer schwer tun, eine Grenze zu  begr\u00fcnden, warum genau hier und nicht doch noch etwas mehr oder weniger? Was man aber von heute an machen m\u00fcsste (oder auch r\u00fcckwirkend), ist die Ver\u00f6ffentlichung der Gutachten zu einer Doktorarbeit (online abrufbar). Das w\u00e4re was, denn dann w\u00fcrden die Fachgutachter die Arbeit sehr, sehr genau lesen und sie nur dann akzeptieren, wenn ihnen wirklich nichts aufgefallen ist. Gutachter stehen bei einem Vergehen mit in der Kreide.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Doktorarbeit von Frau Schavan ist schon Vieles gesagt worden. 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