{"id":9058,"date":"2015-07-19T00:00:00","date_gmt":"2015-07-18T23:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=9058"},"modified":"2018-08-31T20:04:47","modified_gmt":"2018-08-31T19:04:47","slug":"gut-beraten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=9058","title":{"rendered":"Gut beraten"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Ich habe in den letzten Jahren viele Sportorganisationen darin beraten, wie sie Blended Learning \u201eeinf\u00fchren\u201c und \u201everstetigen\u201c. Man sensibilisiert f\u00fcr eine Vision, zumindest f\u00fcr die normative Frage, \u201eWo wollen wir hin\u201c (organisationale Ziele, Menschen- oder Trainerbild etc.), entwickelt gemeinsam ein didaktisches Konzept, entscheidet sich f\u00fcr eine Technologie und macht sich auf, Referenten und Teilnehmer durch reflektiertes Tun mit in die neue Welt zu holen. So oder so \u00e4hnlich geht das, wie aktuell z.B. im <a href=\"http:\/\/www.lsb-sachsen-anhalt.de\/2015\/o.red.r\/home.php\">LSB Sachsen-Anhalt<\/a>.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Schaut man aber genauer hin, dann sind die Abl\u00e4ufe gar nicht mehr so sch\u00f6n klar und linear: Vision, Konzept, Technologie, Implementation, Evaluation etc. Da ist es vielmehr so, dass in jeder Phase \u201eirgendwie\u201c alle anderen Phasen drin stecken, nur nicht ganz so dominant und sichtbar. Im Prozess entsteht also den Eindruck, dass mit jedem Schritt die Folgeschritte angelegt, angedeutet, angesto\u00dfen sein m\u00fcssen (vgl. <a href=\"http:\/\/gabi-reinmann.de\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/ZEL_Artikel_Reinmann_Vohle_2012_Preprint.pdf\">DBR<\/a>). Ich will hier bewusst nicht von \u201eganzheitlich\u201c sprechen \u2013 dieses abgenutzte und reichlich vielsagende Wort. Vielmehr: Da baut sich eine Musik auf; &nbsp;Thema, Rhythmus, Tempo, Lautst\u00e4rke, etc. Ich bin anf\u00e4nglich Dirigent, zeige mein Lied, dann geht der Stab weiter und ich h\u00f6re eine neue Musik, die meiner \u201enur\u201c \u00e4hnlich ist.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ich stecke mitten drin in der Lekt\u00fcre von <a href=\"http:\/\/www.ottoscharmer.com\/\">Otto Scharmers<\/a> \u201eU-Theorie\u201c (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=uxu0AvAALiM\">Video<\/a> mit Bezug zu higher education) und deshalb bin ich besonders sensibilisiert f\u00fcr das, was passiert, wenn man sich aufmacht, Organisationen zu ver\u00e4ndern. Genau genommen hilft man ihnen ja nur bei der Selbstver\u00e4nderung; der Change Agent ist ein Geburtshelfer. Bei Scharmer wird man nun in eine ganz eigene Welt hineingef\u00fchrt, er bezeichnet sein Vorgehen als \u201eSozialtechnologie\u201c und beruft sich u.a. auf die Arbeiten des Sozialpsychologen Kurt Levin und seine <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Feldtheorie_(Psychologie)\">Feldtheorie<\/a>.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Interessant ist, dass Scharmer die von Lewin eingebrachten Metaphern wie \u201eKraftfeld\u201c, \u201everfl\u00fcssigen\u201c oder \u201eeinfrieren\u201c qualitativ erweitert. Sein Ziel ist eine \u201eVergegenw\u00e4rtigung einer m\u00f6glichen Zukunft\u201c und genau daf\u00fcr bedarf es einer \u00d6ffnung des Denkens, F\u00fchlens und Wollens bei allen Beteiligten. Aber damit nicht genug. Ist eine m\u00f6gliche Zukunft in der Gegenwart greifbar, dann muss man sie materialisieren; u.a. helfen hier Prototypen (Objekte, Vorgehensmodelle etc.) damit das Neue in die Welt kommt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Ja, wie das \u201eNeue in die Welt kommt\u201c, genau dieser (blinde) Punkt bzw. Prozess interessiert besonders. Bei Scharmer liest sich das aber nicht abstrakt und blutleer, sondern man gewinnt durch vielf\u00e4ltige Beispiele, grafische Orientierung und \u201eAusfaltung des Punktes\u201c (vgl. David Bohm) Einsichten in einen ansonsten verdunkelten Prozess, den \u201ekein Mensch je zuvor gesehen hat\u201c. F\u00fcr mich selber sind Scharmers Ausf\u00fchrungen an vielen Stellen wie ein Bewusstwerden meiner eigenen Beraterpraxis. Nur: Ich bin bisher noch nie so weit gegangen und habe das, was da (mit den anderen und mir) geschieht, unter der Perspektive der Geburt und als Sozialtechnologie interpretiert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Wahrscheinlich liegt das auch daran, weil das Thema \u201ee-Learning\u201c gemeinhin als etwas von au\u00dfen Kommendes gedeutet wird, als ein \u201eObjekt\u201c, das man in die Organisation einpflanzen muss. W\u00e4re es aber so, dass man sich bereits als Lerngemeinschaft verstehen w\u00fcrde, dann w\u00e4ren alle neuen Formen des Lernens bereits potentieller Teil der eigenen Identit\u00e4t. Die kreative Nutzung von e-Learning w\u00e4re dann nichts anderes als eine Aktualisierung des Potenziellen. Mit Scharmer gilt: Zukunft ist davon abh\u00e4ngig, wie und als was sich die Mitglieder selber wahrnehmen.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Gut beraten ist man also dann, wenn Dritte einem nichts Fremdes einpflanzen, sondern helfen, anders als gewohnt wahrzunehmen, gerade sich selbst und das eigene Sehen! Wenn man lernt, anders zu sehen, und seine Aufmerksamkeit anders als gewohnt zu steuern, dann gelingt eine starke, eigene Zukunft, eben das h\u00f6chstm\u00f6gliche Selbst. Falls der vielbenutzte Begriff der Nachhaltigkeit eine Bedeutung haben soll, dann geht das genau in diese Richtung.&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe in den letzten Jahren viele Sportorganisationen darin beraten, wie sie Blended Learning \u201eeinf\u00fchren\u201c und \u201everstetigen\u201c. 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