{"id":9495,"date":"2019-11-23T17:10:05","date_gmt":"2019-11-23T16:10:05","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=9495"},"modified":"2020-02-02T18:52:02","modified_gmt":"2020-02-02T17:52:02","slug":"social-video-learning-im-wissenschaftlichen-fokus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=9495","title":{"rendered":"\u201eSocial Video Learning\u201c im wissenschaftlichen Fokus"},"content":{"rendered":"<p>\u201eLass uns doch mal einen Workshop bei der <a href=\"https:\/\/www.campus-innovation.de\/\">Campus Innovation<\/a> einreichen\u201c, so <a href=\"https:\/\/www.macromedia-fachhochschule.de\/hochschule\/menschen\/professoren\/personendetails\/vita\/hebbel-seeger.html\">Andreas Hebbel Seeger<\/a> vor ein paar Monaten zu mir in gewohnt hei\u00dfer Hamburger Umgebung. Ja, und da war er nun, dieser kleine Workshop: Gut 100 Interessierte versammelten sich im Ballsaal des Curio-Hauses, um an unserem eLearning Track \u201eSocial Video Learning\u201c teilzunehmen. Neben uns beiden konnten wir <a href=\"https:\/\/www.campus-innovation.de\/programm\/referentinnen\/ruth-arimond.html\">Ruth Arimond<\/a> aus Luxemburg und <a href=\"https:\/\/www.audiovisualresearch.org\/about-1\/\">Jeanine Reutemann<\/a> aus Z\u00fcrich f\u00fcr ein Referat gewinnen.<\/p>\n<ul>\n<li>Nach einleitenden Worten von Andreas lag es bei mir, eine Art \u201eEinf\u00fchrung\u201c in das Thema zu geben [<a href=\"https:\/\/lecture2go.uni-hamburg.de\/l2go\/-\/get\/v\/25404\">Videovortrag hier<\/a>]. Ich hatte diesen Auftrag so ausgelegt, dass ich mich etwas systematischer als sonst der Frage zugewendet habe, was Social Video Learning jenseits des technischen Prinzips ausmacht, warum es also in so unterschiedlichen Kontexten wie der Ausbildung von Trainern und Lehrerinnen, Musikerinnen, F\u00fchrungskr\u00e4ften und Mathematikerinnen funktioniert. Da kann man sich doch fragen: Warum? Die Antworten hatte ich in f\u00fcnf theoretischen Ankern versucht, wobei ich mich vor allem aus dem kommunikationstheoretischen Inventar (Videomanipulation, Zeichenmix, Elaboration, reflexive Beobachterebenen und Common Ground) habe anregen lassen. Es ist ein theoretischer Anfang und Jeanine signalisierte mir viel \u201eDiskussionsbedarf\u201c, \u00fcber den ich mich freue.<\/li>\n<li>Ruth vom <a href=\"https:\/\/ssl.education.lu\/ifen\/\">IFEN<\/a> (Institut de Formation de l&#8217;\u00c9ducation Nationale) skizzierte in ihrem Beitrag Ausschnitte aus ihrer Doktorarbeit, die eine qualitative Studie zur F\u00f6rderung von Wahrnehmungs-, Reflexions- und Handlungskompetenz umfasst [<a href=\"https:\/\/lecture2go.uni-hamburg.de\/l2go\/-\/get\/v\/25405\">Videovortrag hier<\/a>]. Ausgangspunkt ist ihr spezieller Kontext der luxemburgischen Lehrer- und Lehrerinnenausbildung, bei der im Rahmen eines Blended Learning-Settings neben Social Video Learning auch e-Portfolios eingesetzt werden. Das Ergebnis ihrer Fallanalysen ist vielversprechend: Wenn mit fokussierten (d.h. kriteriumsorientierten) Aufgaben u.a. unter Einsatz von Social Video Learning gearbeitet wird, dann ist eine Steigerung der o.g. Kompetenzen festzustellen! Das macht Laune: zum einem wegen des positiven Ergebnisses im Rahmen einer methodisch kontrollierten Interventionsstudie und zum anderen wegen Ruths Doktorarbeit, die nun in die Endphase geht. Wir dr\u00fccken die Daumen!<\/li>\n<li>Jeanine, Unternehmerin (<a href=\"http:\/\/www.redmorpheus.com\/\">www.redmorpheus.com<\/a>) und Wissenschaftlerin (<a href=\"https:\/\/ethz.ch\/de\/die-eth-zuerich\/organisation\/abteilungen\/lehrentwicklung-und-technologie\/mitarbeitende-alphabetisch\/person-detail.MTg2Mjk0.TGlzdC8zMDM1LC01NDE4NDU4OQ==.html\">ETH Z\u00fcrich<\/a>), ging in ihrem Beitrag eher grunds\u00e4tzlich auf das Thema der Bildevidenz von Video (VR 360) im Rahmen der wissenschaftlichen Dokumentation und Publikation ein [<a href=\"https:\/\/lecture2go.uni-hamburg.de\/l2go\/-\/get\/v\/25406\">Videovortrag hier<\/a>]. Was sie sagt, ist f\u00fcr viele Ohren neu, ungewohnt, teils unbequem, weil sie neben dem wissenschaftlichen Textparadigma selbstbewusst und mit guten Gr\u00fcnden mehr Aufmerksamkeit f\u00fcr das Bild- und Videoparadigma gerade bei der Wissensgenerierung einfordert. Sie sagt: \u201eText kann viel, aber Video kann auch sehr viel\u201c. Und damit meint sie nicht Video zur \u201eAufh\u00fcbschung\u201c von wissenschaftlichen Ergebnissen, sondern Video als Mittel der Erkenntnisgewinnung, also als methodischen Kern aller Wissenschaften, die \u201ewas zu zeigen haben\u201c. In ihrer 2019 publizierten <a href=\"https:\/\/www.buechner-verlag.de\/buch\/bewegtbilder-der-wissenschaft-und-ihr-mediendesign\/\">Doktorarbeit<\/a> \u2013 in der ich gerade nach Schenkung eifrig lese \u2013 stolpere ich z.B. \u00fcber Cetina Knorrs \u201eViskurse der Physik\u201c, also einen Hinweis, wie das Visuelle die Erkenntnis- und Konsensbildung f\u00f6rdert. Gro\u00dfartig, gerade f\u00fcr eine im Aufbau befindliche Theorie des Social Video Learning.<\/li>\n<li>Andreas war es vorbehalten, viele zuvor genannte Aspekte in seinem Vortrag aufzugreifen und anhand unseres BMBF-Projekts\u00a0<a href=\"https:\/\/scoreforschung.com\/\">SCoRE<\/a> mit Fokus auf dem forschenden Lernen (siehe hierzu den Vortrag von <a href=\"https:\/\/gabi-reinmann.de\/\">Gabi<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.campus-innovation.de\/programm\/referentinnen\/georg-mueller-christ.html\">Georg<\/a>, beides Projektpartner) zu vertiefen [<a href=\"https:\/\/lecture2go.uni-hamburg.de\/l2go\/-\/get\/v\/25407\">Videovortrag hier<\/a>]. Gerade dieses Projekt hat es ja aus vielerlei Gr\u00fcnden in sich, weil wir dort (a) das forschende Lernen unter (b) den Bedingungen der Vielen, der Crowd, mit (c) innovativen Videotechnologien im Kontext (d) von Nachhaltigkeit (VAN) untersuchen. Informativ fand ich u.a. die Unterscheidungen von normaler Videoarbeit mit dem Handy (fixed frame) und 360-Grad Video, weil hier die besonderen Lernchancen des 360-Grad-Raums deutlich werden. Man muss sich vorstellen: Wenn man Studierende f\u00fcr das forschende Lernen zur Nachhaltigkeit motivieren will (was eine Herausforderung ist), dann kann es zielf\u00fchrend sein, sie mit einem 360-Grad Video und Headset z.B. \u201ean den Meeresgrund tauchen zu lassen, um dort den Plastikm\u00fcll zu sehen\u201c. Explorierendes Sehen und k\u00f6rperlich-emotionales Eintauchen in eine fragw\u00fcrdige Situation sind hier also der Auftakt f\u00fcr eine Prim\u00e4rreflexion, auf die dann die Ausarbeitung einer Forschungsfrage, das Finden eines Untersuchungsansatzes (ggf. durch Dritte = Crowdmitglieder) folgen sollen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wir waren uns einig: Die vier Vortr\u00e4ge haben gut zusammengepasst und wurden durch die Klammer Social Video Learning gut verbunden, denn: Video kann personale Sichten auf Welt \u201eeinfangen\u201c (fixed frame oder 360 Grad); durch Kommentare bzw. Annotationen (= Sichten auf Weltsichten) kann man ein vertieftes, reflexives Verst\u00e4ndnis aufbauen, individuell und in der Gruppe; und durch Videokollagen kann man wissenschaftliche Kernaussagen kommunikativ besser sichtbar machen. Vor uns liegen noch viele Fragen: Wie wird diese videobasierte Perspektivenarbeit (mit welchem Erkenntnisparadigma) zur Erkenntnis? Welche Art von Kollaboration k\u00f6nnen und wollen wir mit Video, Videokommentaren, Videokommentar-Kollagen unterst\u00fctzen? Wie bekommen wir hin, das Studierende eine Vorstellung vom forschenden Lernen gewinnen, obwohl sie in der Crowd nur einen kleinen Teil eines Forschungszyklus selbst\u00e4ndig durchlaufen haben?<\/p>\n<p>All diese Fragen (und unsere vorl\u00e4ufigen Antworten, einer wachsenden Gruppe aus Forschern, Unternehmerinnen, Designern und Anwenderinnen) laufen auf eine spezifische Zukunftskompetenz (future skill) hinaus, wenn man diesen Trendbegriff aufgreifen will, n\u00e4mlich auf ein \u201eforschendes Sehen\u201c, eine spezifische Form der videogest\u00fctzten Weltwahrnehmung, und eine designbasierte Verarbeitung und Re-Visualisierung, bei der Kommunikation und Kollaboration der Vielen eine zentrale Rolle spielen. Klingt alles noch sperrig, ich wei\u00df, aber das Neue ist eine Geburt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eLass uns doch mal einen Workshop bei der Campus Innovation einreichen\u201c, so Andreas Hebbel Seeger vor ein paar Monaten zu mir in gewohnt hei\u00dfer Hamburger Umgebung. Ja, und da war er nun, dieser kleine Workshop: Gut 100 Interessierte versammelten sich im Ballsaal des Curio-Hauses, um an unserem eLearning Track \u201eSocial Video Learning\u201c teilzunehmen. 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