{"id":9768,"date":"2021-04-02T13:02:51","date_gmt":"2021-04-02T12:02:51","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=9768"},"modified":"2021-04-02T13:02:51","modified_gmt":"2021-04-02T12:02:51","slug":"didaktik-und-methodik-da-stimmt-was-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=9768","title":{"rendered":"\u201eDidaktik und Methodik\u201c \u2026 da stimmt was nicht!"},"content":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich war es lange selbstverst\u00e4ndlich, alle Fragen rund um den Unterricht pauschal mit \u201eDidaktik und Methodik\u201c zu klassifizieren. So hatte ich es im Sport- und P\u00e4dagogikstudium in den 1990ern gelernt. Und ja, man kann es in vielen Artikeln auch heute noch lesen und man h\u00f6rt es in vielen Workshops von Praktikern genauso wie von wissenschaftlichen Fachleuten. Doch, ist das noch zeitgem\u00e4\u00df?<\/p>\n<p>Sucht man nach der Ursache dieser Formulierung, so wird man bei Wolfgang Klafki f\u00fcndig. Im Funkkolleg 1970 sagt er: <em>\u201eWir halten es f\u00fcr m\u00f6glich und zweckm\u00e4\u00dfig, die Ziel- und Inhaltsfragen von den Methoden- und Medienfragen theoretisch zeitweilig abzuheben\u201c<\/em>. Klafki, DER Kopf der bildungstheoretischen Didaktik, Theoretiker und Praktiker in einer Person, ging es zwar um eine Verschr\u00e4nkung von materialer (= Inhalte und Ziele) und formaler (= Verhalten) Bildung, was er als kategoriale Bildung bezeichnet, aber \u201eunterm Strich\u201c war f\u00fcr ihn die Inhaltsfrage immer wichtiger, weswegen er auch von einem Primat der Didaktik sprach, von einer \u201eDidaktik im engeren Sinne\u201c, die einen Vorrang zur Methodik haben sollte. Was von dieser hier nur sehr verk\u00fcrzt wiedergegebenen Diskussion im Bildungsalltag vieler Praktiker \u00fcbrig blieb, war eben \u201eDidaktik und Methodik\u201c. Doch ist das gut so? Ich denke nicht: Zum einen, weil es historisch nicht ganz korrekt ist, zum anderen, weil es begriffslogisch wie unterrichtspraktisch eher Verwirrung stiftet.<\/p>\n<p>Schaut man sich modere Definitionen zur Didaktik an, dann wird zwar nicht einhellig, aber doch recht konsensf\u00e4hig von einer \u201eWissenschaft vom Lehren und Lernen\u201c (z.B. Kron) gesprochen. Dort, wo man also das Lehren mit dem Lernen systematisch \u201ekoppeln\u201c will, spricht man von Didaktik. Und<em> unter diesem Dachbegriff<\/em> ist es dann selbstverst\u00e4ndlich, dass wir Inhalts- und Zielfragen ebenso besprechen m\u00fcssen wie Methoden- und Medienfragen, mindestens!<\/p>\n<p>Besch\u00e4ftigt man sich heutzutage mit der Gestaltung von formalen \u201eLernwelten\u201c (Unterricht, Training, Vorlesung etc.), dann ist man gut beraten, sich am \u201e<a href=\"https:\/\/gabi-reinmann.de\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Studientext_DD_Sept2015.pdf\">Didaktischen Design<\/a>\u201c zu orientieren. Zum einen sind da alle didaktischen Basisaktivit\u00e4ten (Inhaltsauswahl und -gestaltung, Aktvierung durch Aufgaben sowie Begleitung durch Feedback, vgl. auch constructive alignment) subsummiert und aufeinander bezogen, zum anderen werden materiale und formale Fragen unter einer <em>pragmatischen Perspektive<\/em> integriert (keine Denkschulen, wie Berliner, Hamburger etc.), was f\u00fcr den Lehralltag einfach hilfreich ist.<\/p>\n<p>Fazit: Vielleicht sprechen wir in Zukunft lieber einfach von \u201eDidaktik\u201c als Dachbegriff f\u00fcr alles, was es da zu besprechen gibt, denn \u201eDidaktik und Methodik\u201c klingt begriffslogisch nach \u201eTiere und Affen\u201c: Da stimmt was nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich war es lange selbstverst\u00e4ndlich, alle Fragen rund um den Unterricht pauschal mit \u201eDidaktik und Methodik\u201c zu klassifizieren. So hatte ich es im Sport- und P\u00e4dagogikstudium in den 1990ern gelernt. 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