{"id":9778,"date":"2021-05-02T12:38:36","date_gmt":"2021-05-02T11:38:36","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=9778"},"modified":"2021-05-02T13:18:51","modified_gmt":"2021-05-02T12:18:51","slug":"querdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=9778","title":{"rendered":"Querdenken"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn man noch vor einiger Zeit in etwa sagen wollte, dass jemand \u201eum die Ecke oder gegen den Strich denken\u201c kann, wenn man zum Ausdruck bringen wollte, dass dieser jemand sich nicht vom Mainstream leiten l\u00e4sst, sondern \u201eout of the box\u201c, also jenseits der Grenzen mental agiert, die alle anderen f\u00fcr akzeptiert und normal halten, dann sagte man, dieser jemand sei ein Querdenker. F\u00fcr solche Menschen \u2013 selbstredend Frauen wie M\u00e4nner \u2013 gibt es im Englischen den Ausdruck \u201eWild Duck\u201c (vgl. auch <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-642-56528-1_3\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/link.springer.com\/chapter\/10.1007\/978-3-642-56528-1_3\">hier<\/a>), was nochmal darauf verweist, dass diese geistig \u201eWilden\u201c Widerspr\u00fcche herausfordern, was den Umgang mit ihnen nicht immer leicht macht.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Nullerjahren habe ich mich l\u00e4nger mit dem Thema \u201eQuerdenken\u201c besch\u00e4ftigt: Zum einen hatte ich damals zusammen mit Hermann R\u00fcppell einen Aufsatz \u00fcber geistige Besonderheiten von erfinderischen Menschen geschrieben (DANTE), zum anderen ging es in meiner Dissertation um das Thema analoge Kommunikation, also den Gebrauch von passenden Vergleichen und analogen Sprachbildern f\u00fcr die Wissensarbeit zwischen den Disziplinen. Kurz: In meiner Zeit war der Begriff Querdenker f\u00fcr Menschen reserviert, die eine besondere Form von Kreativit\u00e4t besa\u00dfen und damit komplexe Probleme l\u00f6sten, die am Ende alle weiterbrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist das anders.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Begriff wurde \u00fcber Nacht geklaut, verdreht und f\u00fcr Menschen reserviert, die das Corona-Virus leugnen, Verschw\u00f6rungstheorien in die Welt setzen und Rechte Gewalt guthei\u00dfen. Aus der Warte der Kommunikationsstrategie muss man sagen: Das ist schlau gemacht, denn mit dem Begriff Querdenker grenzen sich solche Gruppen positiv gegen\u00fcber dem \u201evernebelten\u201c Mainstream ab, also all jenen, die noch nicht die \u201ewirkliche Wahrheit hinter dem Vorhang\u201c erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun darf man in diesem freien Land solche Begriffspiraterie betreiben. Was mich \u00e4rgert ist, dass die Medien Land auf Land ab diese Bezeichnung \u00fcbernehmen und pflegen und dabei offenbar nicht merken, dass das den \u2013 ja wie nennen wir sie denn nur \u2013 in die H\u00e4nde spielt. Heute darf jeder und jede, die rechts und esoterisch denkt und handelt, sagen, ich bin stolz ein Querdenker zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Oh Mann, wie weit sind wir damit weg von Querdenkern wie Leonardo da Vinci oder anderen Menschen, die quer durch alle Wissensgebiete Erfindungen gemacht und neue Gedanken zusammengetragen haben, wie weit weg von dem guten Grundgedanken des <a href=\"https:\/\/querdenker.one\/\">Querdenker-Clubs<\/a> mit fast 400.000 Mitgliedern, in dem das laterale Denken gepflegt und Ideen f\u00fcr das Innovationsmanagement in Organisationen ausgetauscht wurden. Ob wir den Begriff nochmal drehen k\u00f6nnen? Ich glaube nicht, denn ab jetzt h\u00e4ngt am Begriff \u201edie dunkle Seite\u201c, den Geruch bekommt man nicht mehr weg. Also lassen wir ihn fallen und denken uns was Neues aus, dass d\u00fcrfte ja den \u201eWild Ducks\u201c nicht so schwerfallen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man noch vor einiger Zeit in etwa sagen wollte, dass jemand \u201eum die Ecke oder gegen den Strich denken\u201c kann, wenn man zum Ausdruck bringen wollte, dass dieser jemand sich nicht vom Mainstream leiten l\u00e4sst, sondern \u201eout of the box\u201c, also jenseits der Grenzen mental agiert, die alle anderen f\u00fcr akzeptiert und normal halten,  [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-9778","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9778","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9778"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9778\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9785,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9778\/revisions\/9785"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9778"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9778"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/didaktikbuero.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9778"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}