{"id":9796,"date":"2021-05-05T16:17:50","date_gmt":"2021-05-05T15:17:50","guid":{"rendered":"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=9796"},"modified":"2021-05-06T17:57:08","modified_gmt":"2021-05-06T16:57:08","slug":"doener-und-doenerinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/didaktikbuero.de\/?p=9796","title":{"rendered":"D\u00f6ner und D\u00f6nerinnen"},"content":{"rendered":"\n<p>Es ist nun fast zehn Jahre her, als ich mich zum ersten und bisher einzigen Mal zum Thema Gendersprache unter dem Motto \u201e<a href=\"https:\/\/frank-vohle.de\/?p=8996\">Sprachgewalt<\/a>\u201c ge\u00e4u\u00dfert habe. Das Credo von damals: Gendern zerst\u00f6rt die \u00c4sthetik der Sprache und es bleibt dort ohne Wirkung, wo eine Bundeskanzlerin, eine Kampfpilotin oder eine Unternehmerin zur Normalit\u00e4t geh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch 2021 erscheint mir diese Position nicht falsch zu sein, aber wie immer ist das Ganze vielschichtig und verzwickt, weshalb es einer Aktualisierung bedarf.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Erstens sind da die <strong>pragmatischen Argumente<\/strong>, die auch <a href=\"https:\/\/gabi-reinmann.de\/?p=7089\">Gabi<\/a> in R\u00fcckgriff auf den aktuellen ZEIT-Standard aufgegriffen hat: Neben gleichgewichtiger Repr\u00e4sentanz von Frauen und M\u00e4nnern in den Texten geht es ebenfalls und gleichgewichtig um Lesbarkeit, Sch\u00f6nheit, Tradition und Effizienz. Als Folge dieser Anerkennung von gleichrangigen Werten fliegen alle Sternchen, Unterstriche, Binnen-I etc. als L\u00f6sungsoption raus. Favorisiert wird ein Wechsel der weiblichen und m\u00e4nnlichen Form als Basismodus und Doppelnennung dann, wenn es zur <em>inhaltlichen<\/em> Pr\u00e4zisierung beitr\u00e4gt.&nbsp;&nbsp;<\/li><li>Zweitens hat <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article227000843\/Sprache-Gendern-das-erinnert-mich-inzwischen-an-einen-Fleischwolf.html\">Rieke H\u00fcmpel<\/a> in einem sehr lesenswerten Beitrag u.a. auf ein <strong>strategisches Argument<\/strong> hingewiesen, das weniger nach der Sch\u00f6nheit fragt, sondern darauf verweist, dass Gendern der Emanzipation (also dem Ausgangsinteresse) selbst schade! Wie das? Durch Gendern werde die Frau <em>permanent <\/em>in ihrer Geschlechterrolle angesprochen, was so klingen kann, als seien Frauen Opfer und bed\u00fcrfen des besonderen Beistands.<\/li><li>Drittens lassen sich <strong>anti-libert\u00e4re<\/strong> Argumente ausmachen, die \u00fcber das pragmatische und strategische Argument hinausgehen: Wer nicht ordentlich gendert, ist \u201eanders\u201c, und wer anders ist, wird ausgegrenzt. Darauf hatte auch schon H\u00fcmpel verwiesen; Schnell und pauschal l\u00e4uft man auch bei gut begr\u00fcndeter Kritik Gefahr, als Frauenfeind, Querdenker oder gar Nazi beschimpft zu werden, \u2026 also schweigt man lieber und jeder wei\u00df: Mit dem Schweigen beginnt der schleichende Tod unserer Demokratie \u2013 &nbsp;gro\u00dfes Besteck also.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Neulich sah ich Ursula von der Leyen in einem Statement im Nachgang zum Sofagate-Fall: \u201e<a href=\"https:\/\/www.focus.de\/politik\/ausland\/nach-diplomatischem-eklat-fuehlte-mich-verletzt-und-allein-von-der-leyen-haelt-appell-fuer-gleichberechtigung-nach-sofagate_id_13233924.html\">Weil ich eine Frau bin<\/a>!\u201c Sie sah in ihrem Frausein den Hauptgrund, warum sie auf dem Sofa und abseits Platz nehmen musste. Zwar lassen sich auch <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/ausland\/sofagate-nutzt-von-der-leyen-nicht-der-eu-17318410.html\">andere Gr\u00fcnde<\/a> finden, aber von der Leyens lenkte den Blick geschickt vom pers\u00f6nlichen Einzelfall in Richtung all jener Frauen, die solche Verletzungen im Stillen, ohne Kamera, ohne Beobachter erleiden und aushalten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir alle \u2013 Frauen wie M\u00e4nner \u2013 sollten aufpassen, dass wir den Frauen wie M\u00e4nnern auf den faktischen Spielfeldern des Lebens nicht die St\u00fchle wegziehen (Achtung Metapher) und stattdessen den kollektiven Blick auf die kleinen Sternchen lenken, so wie Zauberer das allzu gerne tun, um das Wesentliche zu vertuschen. Umgekehrt glaube ich nicht, dass die kleinen Sternchen auch nur einen einzigen Stuhl an die richtige Stelle r\u00fccken; oft bleibt das eine akademische Turn\u00fcbung. Schiefe Machtstrukturen lassen sich durch <em>wechselseitiges Vertrauen <\/em>Schritt f\u00fcr Schritt aushebeln und da hilft nur eins: anfangen, <strong>TUN<\/strong>, z.B. beim Thema Einstellungen (trotz Kinder). Unsere Sprache wird nach diesen <em>Taten<\/em> nat\u00fcrlich (ohne Zwangsverordnung) folgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist nun fast zehn Jahre her, als ich mich zum ersten und bisher einzigen Mal zum Thema Gendersprache unter dem Motto \u201eSprachgewalt\u201c ge\u00e4u\u00dfert habe. Das Credo von damals: Gendern zerst\u00f6rt die \u00c4sthetik der Sprache und es bleibt dort ohne Wirkung, wo eine Bundeskanzlerin, eine Kampfpilotin oder eine Unternehmerin zur Normalit\u00e4t geh\u00f6ren. 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